Neumünster : Verhaltener Beifall für Goldoni-Stück

Mit der Wirtin „Mirandolina“ (La Locandiera) schuf Goldoni eines seiner bühnenwirksamsten Werke.
Mit der Wirtin „Mirandolina“ (La Locandiera) schuf Goldoni eines seiner bühnenwirksamsten Werke.

„Komödie im Bayerischen Hof“ konnte mit „Mirandolina“ im Theater in der Stadthalle nicht überzeugen.

shz.de von
09. Januar 2018, 10:34 Uhr

Neumünster | Zu Beginn des neuen Jahres war das Theater in der Stadthalle voll besetzt. Die Besucher hatten Lust auf Komödie – auf „Mirandolina“ von Carlo Goldoni, gespielt von der „Komödie im Bayerischen Hof“.

Goldoni (geboren 1707 in Venedig; gestorben 1793 in Paris) war der Theatermacher, der – in der Art wie Molière es in Frankreich tat – die italienische Komödie reformierte. Er entfernte sich von den possenhaften Stegreifspielen der comedia dell’arte mit ihren festen Figurentypen und entwickelte individuelle Charaktere und festgelegte Handlungen. Er näherte die Dialoge der Sprache des Volkes an und wagte auch verhaltene Sozialkritik, indem er die adligen Herrschaften der Lächerlichkeit preisgab und die „normalen“, einfachen Menschen zu Hauptfiguren machte. Mit der Wirtin „Mirandolina“ (La Locandiera), uraufgeführt 1752 in Venedig, schuf Goldoni eines seiner bühnenwirksamsten Werke (insgesamt über 150) – mit der Paraderolle einer resoluten, lebensklugen Frau aus dem Volke, die sich der „hochwohlgeborenen“ Logiergäste mit Charme, Schlagfertigkeit und Intelligenz zu erwehren weiß. Mirandolina bleibt am Schluss die Siegerin über drei adlige Hampelmänner und nimmt ihren Diener Fabrizio, der sie und den sie wirklich liebt, zum Mann.

Das Stück könnte auch heute noch seinen Reiz entfalten und zu herzhaftem Lachen animieren, wenn der richtige Komödienton getroffen wird, wenn das Timing präzise ist, wenn die Dialoge gut zu verstehen sind und zu verbalen Florettgefechten werden, wenn…

Die Inszenierung führte leider nur zu gelegentlichem Schmunzeln, selten zu Szenenapplaus, und auch der Schlussbeifall verebbte schnell. Das Ensemble traf den erforderlichen Komödienton oft einfach nicht; die Pointen wurden nicht exakt und entschieden genug herausgespielt; die insgesamt „steife“ Darstellung weckte kaum Interesse an der Handlung. Dass diese in Venedig spielt, suggerierten (zu) viele schwankende Planken, deren Überqueren den Darstellern viel Geschick abforderte, vor allem aber ihre Aufmerksamkeit von ihren eigentlichen Rollen abzog.

Auch der Einsatz des Geigers (Dilyan Kabranov), der die Szene wohl beleben und die Seelenzustände der Figuren verdeutlichen sollte, machte die Inszenierung (Regie, Bühne und Ausstattung: Thomas Pekny) kaum interessanter. Vier Rollen standen den Typenfiguren der comedia dell’arte noch sehr nahe: die hochstapelnden Schauspielerinnen Ortensia (Esther Kuhn) und Dejanira (Laura Rauch) machten das recht gut, während der Graf (Peter Rappenglück) und der Marchese (Gilbert von Sohlern) gnadenlos überzogen. Erfreulicherweise machte Michele Oliveri den Cavaliere von Ripafratta sowohl in seiner Frauenverachtung wie in seinem Liebesrausch zu einer Charakterfigur, und Ricardo Angelini war ein sympathischer, treuer Diener seiner Herrin, der Mariella Ahrens manches mitgeben konnte, was diese liebenswerte Person ausmacht.

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