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Kampagne : „Verfassungswidrig“: Die Linke greift das Jobcenter hart an

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Schild vor dem Jobcenter: „Sie verlassen den Boden des Grundgesetzes“. Geschäftsführer weist alle Vorwürfe zurück

Die Partei Die Linke kritisiert das Jobcenter an der Friedrichstraße in Neumünster und wirft der Behörde nicht weniger als den Bruch des Grundgesetzes vor. Den Kunden hielten sie vor der Tür ein Schild vor die Nase: „Sie verlassen nach wenigen Metern den Boden des Grundgesetzes“. Außerdem machten die Parteivertreter eine Umfrage unter den Kunden, zumeist Langzeitarbeitslosen oder anderen Bedürftigen.

„Die Abfertigung der Kundschaft ist dort menschenunwürdig“, sagt der Kreissprecher der Linken, Jonny Griese. Die Ergebnisse der Umfrage scheinen ihm Recht zu geben: Die Durchschnittsnote lag bei 4,7 - also kurz vor mangelhaft. Dabei ergeben die eigenen Umfragen des Jobcenters seit Jahren gute Noten für die Behörde. Doch diese Umfrage zweifeln die Linken an: Sie sei „nicht repräsentativ und vom Jobcenter manipuliert“ worden, so Griese.

Die Linken haben ihre Umfrage direkt vor dem Jobcenter gemacht und erreichten 69 Kunden. Die sollten ihre Zufriedenheit mit dem Jobcenter mit einer Note von 1 bis 6 bewerten und zusätzliche Anmerkungen machen. So wurde mehrfach kritisiert, dass es in dem Gebäude für die Kunden keine getrennten Damen- und Herren-Toiletten gibt.

Das Jobcenter hat seit Jahren einen externen Dienstleister damit beauftragt, die Zufriedenheit abzufragen. Die Firma ruft die Kunden an und stellt 45 Fragen aus sechs Themenblöcken. Die Teilnahme ist freiwillig. Es geht unter anderem um die Qualität und Art der Beratung sowie die Rahmenbedingungen wie zum Beispiel die Öffnungs- und Wartezeiten. Halbjährlich werden die Durchschnittsnoten von 100 befragten Kunden veröffentlicht. Mittlerweile sind die Antworten von rund 700 Kunden in die Bewertung eingeflossen und ergeben einen Durchschnittswert von 2,5.

Damit ist der Geschäftsführer des Jobcenters, Thorsten Hippe, sehr zufrieden: „Das ist immerhin die Note gut. Aber natürlich nutzen wir die Ergebnisse der Umfrage, um konstruktiv Verbesserungen vorzunehmen.“ Der Umbau der Schalterhalle zum jetzigen Warteraum mit abgetrennten Büros sei beispielsweise auf vermehrten Kundenwunsch nach mehr Privatsphäre geschehen. Da dieser Umbau der Grund für stark verlängerte Wartezeiten war, sei - ebenfalls auf Wunsch der Kundschaft - im Juli ein zusätzlicher Schnellschalter eingerichtet worden, so Hippe.

Er kritisiert das Vorgehen der Linkspartei: „Ich bin offen für Kritik, aber ohne einen Dialog ist eine Verbesserung der Umstände nur schwer möglich. Wir können nichts ändern, wenn wir die Probleme nicht kennen. Ich wäre auch gern darüber informiert worden, dass eine solche Aktion vor unserer Tür stattfindet.“ Zu dem Vorwurf mit der gemeinsamen Toilette sagte Hippe: „Ich höre zum ersten Mal, dass diese Einrichtung für Unmut sorgt. Wir lassen prüfen, inwiefern unsere Unisex-Toilette rechtmäßig ist und werden selbstverständlich entsprechende Maßnahmen ergreifen.“

Eine besondere Kritik übte Hippe an dem Schild der Linken und dem Vorwurf des Verfassungsbruchs. Schützend stellte er sich vor seine Mitarbeiter: „Sie geben jeden Tag ihr Bestes. Dieser Vorwurf ist absolut absurd.“

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erstellt am 25.Sep.2013 | 07:00 Uhr

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