Ehrung : Verdienstmedaille für „Drehorgel“-Klaus

Ministerpräsident Torsten Albig (rechts) überreichte Klaus Bracker die Urkunde und die Verdienstmedaille des Verdienstordens desr Bundesrepublik Deutschland.
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Ministerpräsident Torsten Albig (rechts) überreichte Klaus Bracker die Urkunde und die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Klaus Bracker (73) erhält den Bundesverdienstorden für sein Engagement

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07. Januar 2014, 07:00 Uhr

Gestern war ein ganz besonderer Tag für Klaus Bracker (73): Der Wittorfer und Organisator der historischen Drehorgeltreffen wurde für sein jahrzehntelanges Engagement für die Fröbelschule mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik ausgezeichnet.

Gemeinsam mit seiner Frau Margret nahm Bracker die Auszeichnung durch Bundespräsident Joachim Gauck in der Landesbibliothek von Ministerpräsident Torsten Albig entgegen. Er war sichtlich gerührt. Denn nach einem Schlaganfall im Mai 2010 kämpfte sich Klaus Bracker mühsam zurück ins Leben. „Ich bin froh, dass ich das miterleben und wahrnehmen kann, dass ich wieder sprechen kann, wieder dabei bin“, betonte er.

Als er von der Ehrung erfuhr, war er völlig überrascht. Doch Ehefrau Margret ist überzeugt: „Das hat er echt verdient.“ In mehr als 30 Jahren sammelte der Kfz-Meister, der von 1973 bis 2006 seine Werkstatt an der Mittelstraße führte, mit seinem Drehorgelspiel rund 80 000 Euro für die Fröbelschüler. Er ermöglichte so Mittagessen, psychomotorisches Programm, Nachmittagsunterricht und vieles mehr. Außerdem organisierte Bracker vier historische Drehorgeltreffen mit Teilnehmern aus Dänemark, Holland und der Schweiz, die für ein ganz besonderes Flair in der Stadt sorgten.

Klaus Bracker war aber auch auf unzähligen Feierlichkeiten, dem Bordesholmer Weihnachtsmarkt, der Kieler Woche oder dem Schleswig-Holstein-Tag unterwegs. „Schon als kleiner Junge haben mich die Drehorgelspieler fasziniert. Ich habe mich immer nach dem Geheimnis gefragt, wie aus so einem Kasten Musik kommt“, erinnert sich Bracker. Auf einem Flohmarkt erstand er in den 1970er-Jahren sein erstes spanisches Straßenklavier, eine Melone und einen Gehrock. Es begann eine jahrzehntelange Leidenschaft.

Dann kam 2010 der Schicksalsschlag: Klaus Bracker erlitt einen Schlaganfall. Das bereits geplante Drehorgeltreffen musste abgesagt werden. Seine Frau wich ihm nicht von der Seite, und auch die Söhne Jan (35) und Tim (33) halfen gern. „Das war ein brutaler Schlag, der mich auf Null gestellt hat“, sagt Klaus Bracker, der seitdem halbseitig gelähmt ist. Die harte Arbeit mit täglicher Therapie hat Erfolg: Er kann mit der rechten Hand seine geliebte Drehorgel spielen, mit Hilfe ein paar Minuten stehen. Sein Werk kann er zwar nicht weiterführen, doch sein Drehorgelfreund Robert Neumann macht weiter – für den guten Zweck.

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