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Fußball-EM : Vater und Sohn sind sich nicht einig

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Während Sergej Naumenko und seine Frau Swetlana morgen auf die Ukraine setzen, sind die Kinder für Deutschland.

Neumünster | Wenn morgen in Frankreich bei der Fußball-EM die deutsche Nationalmannschaft gegen die Ukraine aufläuft, wird es im Hause Naumenko / Kurganowa in Faldera vor dem heimischen Fernseher zwei Lager geben: Sergej Naumenko (38) und seine Ehefrau Swetlana Kurganowa drücken „ihren“ Ukrainern die Daumen, aber für Tochter Marija (18) und vor allem für Sohn Ewgenij (10) steht fest, dass Jogis Jungs gewinnen sollen.

2003 kam die Familie aus der zweitgrößten ukrainischen Stadt Charkiw nach Neumünster. Ewgenij wurde 2006 im Friedrich-Ebert-Krankenhaus geboren. Er ist auch der „Fußballprofi“ im Haus, kickt seit sechs Jahren als Stürmer beim PSV-Union. Bester Spieler bei den Deutschen, da gibt es für den Bayern-Fan keine zwei Meinungen, ist Mario Götze. „Der hat es einfach drauf!“, sagt Ewgenij. Gute Chancen sieht der Grundschüler im deutschen Angriff. „Am Ende wird es ein 2:1-Sieg“, tippt er.

Da hält Papa Sergej dagegen. Er verweist darauf, dass die Ukraine eine junge Mannschaft aufbietet, die bereits bei der letzten EM im eigenen Land und in Polen 2012 nicht schlecht gespielt habe. Gegen Schweden gab es damals in der Vorrunde einen 2:1-Sieg, gegen Frankreich und vor allem gegen England nur knappe Niederlagen. „Gegen England hätten wir auch gewinnen können, wenn der Schiedsrichter damals richtig gepfiffen hätte“, sagt der gelernte Brücken- und Straßenbauer, der in Neumünster als Auslieferungsfahrer arbeitet. Und er ergänzt: „Deutschland hat in der Vorbereitung sein Testspiel gegen die Slowakei verloren, die Ukraine ihres gegen Albanien aber gewonnen.“ Seine Frau Swetlana, die in der Kantine des Friedrich-Ebert-Krankenhauses arbeitet, pflichtet ihrem Mann bei. Beide setzen auf einen Überraschungssieg der alten Heimat: „Die Ukraine gewinnt 2:1“, sagt sie.

Vor vier Jahren war die Familie während der Europameisterschaft in ihrer Heimat, besuchte dort Sergejs Mutter und Bruder. „Die Ukrainer sind ein fußballbegeistertes Volk“, sagt Sergej Naumenko. Im Metalist-Stadion in Charkiw fanden damals drei Vorrundenspiele der Europameisterschaft statt, unter anderem gewann Deutschland dort gegen die Niederlande. „Fußball hilft auch dabei, die Kriegswirren in der Ost-Ukraine zumindest für einen Zeit lang in den Hintergrund treten zu lassen“, sind sich Sergej und Swetlana einig.

Für Ewgenij steht jedenfalls fest, dass Deutschland nicht nur Gruppensieger in der Vorrunde wird, sondern auch Europameister. „Aber die Ukraine wird Gruppenzweiter und schafft es noch ins Achtelfinale“, sagt er und lächelt versöhnlich.

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erstellt am 11.Jun.2016 | 11:00 Uhr

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