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Wo ist Rayan? : Vater entführt einjährigen Sohn aus Neumünster in Dubai

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Der kleine Rayan (1) ist in den Vereinigten Arabischen Emiraten verschwunden. Die Mutter kämpft vor Ort um ihren Sohn.

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erstellt am 17.Sep.2015 | 07:45 Uhr

Neumünster | Er ist ein kleiner Neumünsteraner. Am 9. April 2014 wurde Rayan im Friedrich-Ebert-Krankenhaus geboren. Jetzt ist der anderthalbjährige Junge in Dubai (Vereinigte Arabische Emirate) verschwunden. Er wurde entführt – vom eigenen Vater. Seine Mutter Katharina D. (27), die den Verlust des Kindes seit Monaten befürchtete und sich deshalb mit ihrem Kind lange vor dem gewalttätigen Ehemann versteckt hielt, kämpft vor Ort verzweifelt um ihren Sohn.

Die Kindheit des kleinen Lockenkopfs stand bisher unter keinem guten Stern. Und dabei hatte alles angefangen wie in einem Märchen aus tausendundeiner Nacht: Rayans Mutter machte einst in Dubai als Bar-Managerin im renommierten Radisson-Blue-Hotel Karriere. Dort lernte sie einen ägyptischen Anwalt kennen und lieben. Das Paar heiratete im August 2013 in Dubai. Doch als Katharina schwanger wurde, zog es sie zur Entbindung nach Hause. Um nahe bei ihrer Mutter Elena D. (58) und ihrem Stiefvater Hans-Jürgen Scheel (62) aus Ruthenberg zu sein, reiste sie nach Neumünster.

Als sie nach der Geburt mit ihrem Baby nach Dubai zurückkehrte, war aus dem treusorgenden Ehemann ein prügelnder Tyrann geworden: Er nahm Katharina die Pässe, Bankkarte und Ersparnisse weg. „Ich stelle als Mann die Regeln auf. Wenn du nicht gehorchst, fliegst du nach Deutschland. Aber ohne unseren Sohn“, drohte er. Das Problem: In den Emiraten entscheidet der Vater, ob und wann sein Kind ausreisen darf. Die Familie in Deutschland war schockiert. Im Februar 2015 versuchte sie, über das deutsche Generalkonsulat in Dubai Hilfe zu organisieren. Doch das verwies auf seine geringen Einflussmöglichkeiten und das Familienrecht in den Emiraten.

Erst mit Hilfe von zwei ehrenamtlichen Helfern vor Ort gelang Katharina mit ihrem Kind die Flucht in immer neue Verstecke in Dubai. Sofort erstattete die junge Mutter Anzeige bei der Polizei wegen Misshandlung und beantragte beim Familiengericht die Scheidung sowie das Sorgerecht für Rayan.

In dem komplizierten Verfahren wollte die junge Deutsche alles richtig machen. Deshalb zog sie auch erneut das deutsche Konsulat zu Rate. Dort empfahl man ihr, dem Vater regelmäßige Treffen mit seinem Sohn zu gewähren – das würde die Chancen vor Gericht erhöhen. Trotz großer Bedenken hielt sich Katharina an den Rat – mit fatalen Folgen.

Zuerst lief die Sache gut. Aus Sicherheitsgründen ging die junge Mutter mit ihrem Kind nie allein zu den Verabredungen. Immer wählte sie öffentliche Plätze wie Spielplätze oder Restaurants. Doch dann kam es beim Wiedersehen erneut zum Streit. Der Ehemann schrie, packte plötzlich das Kind und verschwand.

„Mein Baby ist weg! Er hat ihn mir einfach weggenommen! Er versteckt sich irgendwo, Telefone ausgeschaltet“, schrieb die verzweifelte Mutter nur wenige Tage später völlig aufgelöst im Internet. Seit Rayans Verschwinden hat Katharina Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt. Polizei und Gerichte in Dubai wurden eingeschaltet. Ein neuer Anwalt steht ihr zur Seite. Täglich sucht Katharina ihr Kind in der Millionenstadt – auch um die Sorge und den Schmerz zu ertragen. Auf der Facebook-Seite „Hilfe für Katharina“ bittet sie um Spenden, um die kostspielige Suche finanzieren zu können.

Die Großeltern, die mittlerweile in Niedersachsen wohnen, haben in Deutschland eine Vermisstenanzeige nach ihrem Enkel aufgegeben. Bundeskriminalamt und Interpol wurden aktiv. „Uns war wichtig, dass nicht nur nach dem Vater, sondern auch nach Rayan gesucht wird“, begründeten sie diesen Schritt. Seit wenigen Tagen gibt es einen winzigen Hoffnungsschimmer: Das Gericht in Dubai hat Katharina das Sorgerecht für Rayan zugesprochen und den Vater aufgefordert, das Kind bis zum 1. Oktober zurückzubringen. Jetzt zählt Rayans Familie trotz großer Skepsis die Tage.  

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