Kinobühne : US-Film über Sex, Sünde und Moral

Die Regisseurin Micah Magee präsentierte ihren autobiografischen Film „Petting Zoo“ auf der Kinobühne.
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Die Regisseurin Micah Magee präsentierte ihren autobiografischen Film „Petting Zoo“ auf der Kinobühne.

Die 100 Besucher der Kinobühne waren erschrocken und begeistert zugleich, als sie den Film „Petting Zoo“ im Theater in der Stadthalle sahen.

shz.de von
02. März 2017, 11:00 Uhr

Neumünster | Mucksmäuschenstill war es am Dienstagabend auf der Kinobühne im Theater in der Stadthalle, als  100 Zuschauer sich den Film „Petting Zoo“ (deutsch: Streichelzoo) ansahen. Er handelt von dem Mädchen Layla aus Texas. Sie steht  kurz vor ihrem Schulabschluss  und möchte dann zum College gehen. Doch als sie erfährt, dass sie schwanger ist, muss sie die Schule abbrechen. Ihre Eltern weigern sich, einer Abtreibung zuzustimmen. Das Verhältnis ist gestört, und Layla zieht zu ihrer Großmutter, die aber kurz darauf stirbt. Layla ist nun auf sich alleine gestellt. Von dem Vater des Kindes hat sie sich getrennt. Das Baby stirbt noch während der Schwangerschaft.

„Mir war nicht bewusst, dass die USA so konservativ sind“, sagte der Besucher Joachim Kreuz (63). Doch das Thema Sex ist sehr heikel in manchen Bundesstaaten. „Nach den texanischen Ansichten ist eine Frau dazu da, um Kinder zu bekommen. Eine Abtreibung gilt als Sünde, und Verhütungsmittel sind unmoralisch“, erklärte die Regisseurin Micah Magee (38) bei der Diskussion nach der Vorstellung.

Micah Magee kommt selbst aus Texas und spricht aus eigener Erfahrung, da sie als Jugendliche ebenfalls unerwartet schwanger wurde. Gedreht hat sie den Film mit Amateurschauspielern, was aber keineswegs zu bemerken ist. Magee: „Mir war wichtig, dass die Schauspieler die Ansichten in Texas kennen.“

Gedreht wurde der Film in San Antonio, der Stadt mit der zweithöchsten Schwangerschaftsrate  bei Jugendlichen in den USA. Auch die Zahl der Totgeburten ist hoch. Doch die Kirche verhindere, dass Schüler aufgeklärt werden. Abstinenz sei die einzige Verhütungsmethode. „In der Schule haben wir zwei Tage über Aufklärung gesprochen, über Schwangerschaft gar nicht. Die Jugendlichen werden komplett alleine gelassen“, sagte die Regisseurin.  So präsentiert sich auch Layla, gespielt von Devon Keller. Sie kennt die Gefahren bei einer Schwangerschaft nicht und trinkt weiter Alkohol. Auch das schlechte Gesundheitssystem der USA wird im Film angesprochen. Als Layla ins Krankenhaus geht, um ihr Kind zu gebären, hat kein Arzt für sie Zeit. Das (tote) Kind bringt sie alleine zur Welt. Psychologische Unterstützung bekommt sie keine.

„Ein sehr bewegender Film. Ich muss das erst einmal verarbeiten“, urteilte die Zuschauerin Elisabeth Kreuz (63), die zusammen mit ihrem Mann öfter die Kinobühne besucht. Die vom Courier präsentierte Veranstaltungsreihe gibt es bereits seit sechs Jahren.

„Das Besondere daran ist, dass die Filme von der kulturellen Filmförderung Schleswig-Holstein unterstützt und im Anschluss diskutiert werden. Auch der Ort ist besonders. Wo sonst sitzen die Zuschauer auf der Bühne eines Theaters?“, sagte die Leiterin des Kulturbüros, Johanna Göb.

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