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Holsteinischer Courier

22. November 2017 | 08:45 Uhr

Gericht : Urteil nach gefährlicher Rausch-Fahrt

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Acht Monate nach dem Horror-Unfal auf der Christianstraße: Fahrer erhielt eine Bewährungsstrafe und muss Schmerzensgeld zahlen.

von
erstellt am 12.Mai.2017 | 08:00 Uhr

Neumünster | Es müssen dramatische Szenen gewesen sein: Mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit raste am 4. September vergangenen Jahres ein silberner 5er-BMW gegen 22.30 Uhr durch die Dunkelheit stadteinwärts über die Christianstraße. Auf Höhe der Esplanade kam der Wagen in der Kurve ins Schleudern, schoss über den Gehweg, riss einen Betonpoller um und knallte schließlich gegen einen Baum, bevor er Feuer fing. Drei Menschen kamen nur mit viel Glück mit dem Leben davon; sie wurden mit schwersten Verletzungen ins Krankenhaus gebracht. Jetzt musste sich ein 29-Jähriger vor dem Amtsgericht für die Sache verantworten. Der Neumünsteraner saß damals am Steuer – ohne Führerschein, dafür mit reichlich Alkohol und aufgeputscht mit Drogen, so die Anklage.

Die Richterin sprach mehrfach von einem Wunder, als sie sich gemeinsam mit den Prozessbeteiligten das Szenario noch einmal vor Augen führte: Auf dem Gehweg konnte ein junger Fußgänger (18) im letzten Moment zur Seite springen, wurde jedoch noch von einem Rad am Knöchel erfasst und verletzt. Auch der Beifahrer (30), der Bruder des Angeklagten, kam nur knapp mit dem Leben davon. Er konnte sich schwer verletzt nicht mehr aus dem brennenden Wagen befreien. Einsatzkräfte zogen ihn in letzter Sekunde heraus.

„Es ist alles so gewesen, es tut mir sehr leid“, sagte der Angeklagte, der bei der Horrorfahrt selbst schwer verletzt worden war. Betrübt erzählte er, wie sehr ihm die schlimmen Folgen seiner Rausch-Fahrt nach wie vor zu schaffen machen – vor allem die Folgen, die sein Bruder zu tragen hat. Der geht auch acht Monate nach dem Unfall immer noch an Krücken, soll seinem Bruder aber mittlerweile verziehen haben.

An die verheerende Karambolage sowie an die Stunden davor konnte sich der Angeklagte vor Gericht nicht mehr erinnern. Allerdings hatte er noch wenige Stunden nach dem Vorfall 1,4 Promille Alkohol im Blut. Außerdem wurden Hinweise auf Amphetamine im Blut gefunden.

Auch wenn Reue und Geständnis vom Gericht positiv aufgenommen wurden, sparten die Juristen gleichzeitig nicht an Kritik. Denn der Angeklagte war in den Jahren zuvor schon zwei Mal betrunken am Steuer ertappt worden, hatte deshalb seinen Führerschein verloren und Geldstrafen kassiert.

Darum sah die Richterin auch nur noch die Möglichkeit, eine Freiheitsstrafe zu verhängen. Wegen vorsätzlicher Straßenverkehrsgefährdung in Tateinheit mit fahrlässiger Körperverletzung und vorsätzlichen Fahrens ohne Fahrerlaubnis verurteilte die Juristin den Mann zu acht Monaten Haft, die aber auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurden. Außerdem darf der Angeklagte erst in zwei Jahren wieder einen Führerschein machen. Ihm wird ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt. Außerdem muss er 300 Euro Schmerzensgeld an den Fußgänger zahlen. Seinen Bruder unterstützt er ohnehin im Genesungsprozess – auch finanziell. Mit der Entscheidung folgte die Richterin im Wesentlichen den Forderungen der Staatsanwaltschaft. Der Verteidiger hatte eine viermonatige Bewährungsstrafe sowie eine einjährige Führerscheinsperre für angemessen gehalten. Denn der Angeklagte, der gerade Vater geworden ist, sucht derzeit Arbeit.

„Die Sache ist noch nicht vorbei, es werden sicher noch reichlich Regressansprüche auf Sie zukommen“, erklärte die Richterin. „Immerhin wirken Sie aber, als hätten Sie jetzt endlich verstanden, dass Alkohol und Drogen im Straßenverkehr nichts verloren haben. Es ist schlimm genug, dass dafür erst so etwas Furchtbares passieren musste. Es ist und bleibt ein Wunder, dass es keine Toten gab.“  

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