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Holsteinischer Courier

23. August 2017 | 04:37 Uhr

Unverständnis zum Kirchenabschied

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Am Sonnabend wird St. Bartholomäus geschlossen / Heilig Kreuz folgt im September / Enttäuschte Katholiken wollen den Feiern fern bleiben

Die Enttäuschung sitzt bei vielen immer noch tief. Wenn am kommenden Sonnabend die St. Bartholomäus-Kirche am Wernershagener Weg als erste von zwei katholischen Kirchen in der Stadt mit einem sogenannten Profanierungsgottesdienst feierlich geschlossen wird, werden viele langjährige Kirchgänger ganz bewusst nicht dabei sein. Gleiches gilt im September für den Abschied in (und von) Heilig Kreuz.

Nach wie vor ist für manchen die Entscheidung von Kirchenvorstand, Pfarrgemeinderat und Erzbistum nicht recht nachvollziehbar. Die argumentierten bereits bei ihrem Beschluss im Frühjahr vergangenen Jahres mit finanziellen Gründen, mangelnder Auslastung und Personalknappheit (der Courier berichtete). „Die Steuereinnahmen sind geringer geworden. Wir haben nach wie vor Gläubigerschwund, und der Priesternachwuchs fehlt auch“, unterstreicht Pfarrer Peter Wohs noch einmal auf Nachfrage. Das sehen viele Kritiker immer noch anders. Sie verweisen darauf, dass ihre Kirche laut Weihbischof Dr. Hans-Jochen Jaschke vom Erzbistum Hamburg noch nie so viel Geld gehabt habe wie momentan – und zwar durch das Kirchensteueraufkommen.

Doch was die Kritiker derzeit viel mehr erbost, ist eine in ihren Augen fehlende Kommunikation. „Es herrscht intensives Schweigen“, bemängelt zum Beispiel Michael Hohmann, der selbst 30 Jahre im Kirchenvorstand von Heilig Kreuz tätig war. So fühlten sich viele zunächst von der Entscheidung zur Schließung ausgeschlossen. Als die dann gefallen und laut Hohmann auf einer Versammlung im Mai für den weiteren Verlauf Gesprächsbereitschaft signalisiert worden war, sei wieder nichts geschehen. So sei den älteren Kirchgängern zum Beispiel nie der Kirchenbus in die Innenstadt angeboten worden, kritisiert er. Dazu meint Pfarrer Wohs: „Der Bulli steht allen zur Verfügung. Wir sind eine Pfarrei und gehören zusammen. Den kann jeder nutzen.“

Michael Hohmann hat weitere Fragen. „Wir möchten wissen, was aus der Heilig-Kreuz-Kirche wird – und hören nichts. Wir fürchten, dass sie verwahrlosen könnte. Und wo ist die Einsparung, wenn man das Gebäude leer stehen lässt?“ In Hinblick auf die Heilig-Kreuz-Kirche kann der Pfarrer noch keine Lösung präsentieren. „Wir werden das heilige Brot heraustragen und in die St. Maria-St. Vicelinkirche bringen. Das ewige Licht wird gelöscht, und dann wird erst einmal abgeschlossen“, so Wohs. Später wird noch das Mobiliar entfernt und wahrscheinlich auf andere Kirchen verteilt. Das Gebäude wird wohl zum Verkauf angeboten werden. „Es war ein sakraler Raum. Wir werden genau schauen, dass es eine vernünftige Lösung gibt“, sagt der Pfarrer. In St. Bartholomäus soll nach wie vor ein Kindergarten entstehen. „Wir klären jetzt die Finanzierung. Anträge sind gestellt“, erklärt Wohs.

Auch der Geistliche selbst bedauert die Entwicklung in den Gotteshäusern in Tungendorf und Faldera. „Ich tue so etwas nicht gern“, sagt er in Bezug auf die anstehenden Abschiedsgottesdienste. Doch er sieht die beiden Feiern auch als „Dankgottesdienste für die Zeit, die die Kirchen uns gedient haben“. Michael Hohmann hingegen, der lange in Heilig Kreuz für die Musik im Gottesdienst sorgte, wird der Feier fern bleiben. „Ich habe meine Hilfe beim Schließungsgottesdienst abgesagt“, sagt er resigniert.


>Profanierungsgottesdienst in St Bartholomäus: Sonnabend, 24. August, 17 Uhr.

>Profanierungsgottesdienst in Heilig Kreuz: Sonnabend, 14. September, 17 Uhr.

>Anmeldungen für den Kirchenbus unter Tel. 4 25 89.

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erstellt am 21.Aug.2013 | 00:32 Uhr

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