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Abholzung erlaubt : Unvermeidlich: Die Doppeleiche wird fallen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

200 Jahre altes Naturdenkmal ist vom Pilz befallen. Die Stadt erlaubt die Abholzung wegen der Gefährdung der Verkehrssicherheit.

Sie ist ein über 200 Jahre altes Wahrzeichen des Stadtteils: Die Doppeleiche an der Ehndorfer Straße bei der Hausnummer 228 ist ein majestätischer Baum. Doch der Zahn der Zeit nagt an ihr, die Diagnose ist eindeutig: Aufgrund von massivem Pilzbefall muss die betagte Eiche gefällt werden. „Der Baum ist zu morsch, es geht eine zu große Gefahr von ihm aus. Aus Verkehrssicherheitsgründen haben wir die bisher versagte Genehmigung zum Fällen zurückgezogen, es ist Gefahr im Verzug, der Baum ist zu morsch“, sagt Matthias Trauzold, Biologe von der Unteren Naturschutzbehörde der Stadt.

Die Familie, auf deren Grundstück die Eiche steht, ist darüber sehr traurig. „Wir haben damals das Haus nach hinten gesetzt, damit der Baum Platz hat“, sagt Mehrnusch Karwelies (33). Auch die Auffahrt wurde versetzt. Für sie und ihre Kinder Nicolas (2) und Lara (6) ist der Baum ein vertrauter Anblick vor der Haustür. Geschätzt ist sie 200 Jahre alt, wer sie gepflanzt hat, ist aber nicht bekannt. Schon im Juli 2011 zeigte die Eiche Altersschwäche. Damals knickte ein tonnenschwerer Ast aus heiterem Himmel auf den Gehweg, ein zufällig vorbeikommender Radfahrer kam mit dem Schrecken davon. Der Befall durch einen Pilz war die Ursache. Mehrnusch Karwelies und ihr Mann hatten das Grundstück 2008 mit dem Naturdenkmal gekauft. Ein Gutachter bescheinigte damals der Eiche die „Vitalitätsstufe 2 bis 3“. Das bedeutete, dass der Baum „geschädigt“ oder auch sogar „absterbend“ war.

Nach dem Abbruch des Astes hatte die Familie auf eigene Kosten die Eiche zurückstutzen lassen; die ausführende Gartenbaufirma aus Kiel sagte dem Baum eine Lebenszeit von noch höchstens zehn Jahren zu. Die Stadt hatte davor den Baum als „ortsbildprägend“ und „monumental“ eingestuft und untersagt, dass das Naturdenkmal gefällt werden dürfte. Doch nach dem Absturz des Riesenastes und der Pilz-Diagnose änderte sich die Lage. „Der Baum ist nicht zu halten, der ist am Ende des Lebens“, so Trauzold, der bereits 2012 eine schriftliche Zusage schickte, dass der Baum gefällt werden dürfe. Die Familie habe sich wirklich für den Baum eingesetzt, so Trauzold, der den Baum jahrelang beruflich begleitete.

Doch das Urteil der Sachverständigen ist klar: Der Baum ist ein zu großer Unsicherheitsfaktor und zu marode. Anfang November wird eine Spezialfirma anrücken und die riesige Eiche mit Hilfe von Baumkletterern Stück für Stück, Ast um Ast fällen. Die Kosten tragen die Grundstückseigner. Es wird ein besonderer Tag für die Familie. Wenn die imposante Eiche verschwunden ist, wollen sie einen Baum nachpflanzen. Mehrnusch Karwelies: „Wenn die Eiche gefällt ist, wollen wir einen Walnussbaum.“

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erstellt am 26.Okt.2013 | 15:00 Uhr

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