Unverhoffte Ausbeute - unbezahlbarer Austausch

Präsentiert seine Trophäen, die er bei den Europäischen Spielen der Herz- und Lungentransplantierten einheimste: Ingo Mruk. Foto: hänfler
Präsentiert seine Trophäen, die er bei den Europäischen Spielen der Herz- und Lungentransplantierten einheimste: Ingo Mruk. Foto: hänfler

BSG-Sportler Ingo Mruk mit beachtlichen Leistungen bei den Spielen der Herz- und Lungentransplantierten

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26. Juli 2012, 03:59 Uhr

Apeldoorn | Bei den 14. Europäischen Spielen der Herz- und Lungentransplantierten im niederländischen Apeldoorn war mit Ingo Mruk von der Behinderten-Sportgemeinschaft (BSG) auch ein Neumünsteraner unter den 300 Teilnehmern aus 20 Ländern dabei. Nach 2002 und 2004 startete Mruk bereits zum dritten Mal bei derlei Europäischen Spielen.

Anders als bei den weiteren teilnehmenden Nationen, gibt es in Deutschland keine Organisation mehr, die sich um die Sportler, die eine Organtransplantation hinter sich haben, kümmert. Ohne finanzielle Unterstützung oder Betreuung traten und treten die deutschen Athleten bei den Wettkämpfen an. "Das ist eigentlich sehr schade, zumal Deutschland die Spiele 1989 mit ins Leben gerufen hat und mittlerweile immer weniger Deutsche daran teilnehmen", bedauert der 73-jährige Mruk. So sportlich aktiv wie jetzt war er allerdings nicht immer. Zur Schulzeit konnte man ihn schon für Sport begeistern. Als diese aber vorbei war, machte der gelernte Bauingenieur lange Zeit nichts. Erst nachdem er am 2. April 1993 ein neues Herz erhalten hatte und fortan zur Reha musste, entdeckte Mruk den Sport wieder für sich. Er schloss sich der BSG an und kam so zum Kegeln und Boßeln, was ähnlich ist wie Eisstockschießen. Zudem geht er einmal die Woche Schwimmen und zur Leichtathletik, wo er gerade zum 14. Mal sein Sportabzeichen in Angriff nahm. Aber auch Singen ist eine seiner Leidenschaften, die er in der "Einigkeit Wittorf" auslebt.

Für die Europäischen Spielen in Apeldoorn hatte sich Ingo Mruk wieder einiges vorgenommen. Mit seinen 73 Jahren zählte er zur ältesten teilnehmenden Gruppe, die als "Very Special Old Persons" (VSOP) bezeichnet wurde. Er trat in den Disziplinen Radfahren (20 km), Freistilschwimmen (50 m), 100 m-Lauf, Weitwurf und Kugelstoßen an. Hierbei holte Mruk zwei Mal Gold (Schwimmen und Weitwurf), zwei Mal Silber (Radfahren/Kugelstoßen) und einmal Bronze (100 m-Lauf). Zudem erhielt der Neumünsteraner die Trophäe als "Bester männlicher Sportler", womit er selbst nicht gerechnet hatte. Ermittelt wurde der Sieger durch die vielfältige Teilnahme an den Wettkämpfen, in Kombination mit dem Alter. Auch der dafür vorhandene Wanderpokal ist vorerst in Mruks Händen. "Das kam schon sehr unerwartet, und demnach war die Freude darüber auch sehr groß", kommentiert er seine unverhoffte Ausbeute. Als am schönsten empfand der Sportler die Geselligkeit und Gemeinschaft, die sich auf einem solchen Event ergeben. "Der Austausch mit Gleichgesinnten ist unbezahlbar. Und zu sehen, wie alle sich über ihre Erfolge freuen, ist mehr Wert, als die ganzen Preise", betont Mruk - frei nach dem olympischen Motto: "Dabei sein ist alles."

Viel wichtiger als der sportliche Erfolg an sich ist Mruk, die Aufmerksamkeit auf die Organspende zu legen. Denn es gibt seines Erachtens noch viel zu wenige Organspender. Mit der Gruppe "Transplantationsbetroffene Schleswig-Holstein" (TBSH), mit der er sich alle zwei Monate trifft, klärt er unter anderem auf Gesundheitsmessen über die Organspende auf und versucht so, auch neue Spender zu gewinnen. "So können schließlich noch viel mehr Leben gerettet werden, und diese Angelegenheit liegt mir sehr am Herzen", bekennt Mruk. Er selbst ist ein tolles Beispiel dafür, wie gut es einem Menschen nach einer Transplantation gehen und was man alles selbst danach noch erreichen kann - wenn man nur will. So möchte der leidenschaftliche BSG-Sportler noch lange mit weiteren Erfolgen glänzen und sich für die Organspende einsetzen. Dies hat sich Mruk jedenfalls auf seine Fahne geschrieben.

Ergebnisse von Ingo Mruk in Apeldoorn: 50 m Schwimmen 56,76 Sek., 100 m-Lauf 20,92 Sek., Weitwurf 33,07 m, Kugelstoßen 7,75 m; die Zeiten beim Radfahren wurden nicht notiert.

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