zur Navigation springen

Frühjahrs-Konjunkturumfrage : Unternehmer gegen Großfleckensperrung

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Der Unternehmensverband sieht sich durch eine aktuelle Umfrage bestätigt.

shz.de von
erstellt am 16.Apr.2014 | 11:45 Uhr

Neumünster | Die Wirtschaft brummt. Das ist das Fazit der Konjunkturumfrage, die der Unternehmensverband Mittelholstein (UVM) gestern präsentierte. „Über alle Branchen betrachtet, stellen sich die für Neumünster ermittelten Werte vielfach sogar besser dar als im übrigen Schleswig-Holstein“, sagte der UVM-Vorsitzende Jens van der Walle.

Fast die Hälfte der 88 befragten Unternehmen mit zusammen rund 15 000 Beschäftigten bewertet ihre wirtschaftliche Situation besser als im Vergleich zum Frühjahr 2013. 31 Prozent wollen ihre Investitionen erhöhen. Das sei der beste Wert seit Jahren. Und ein Drittel der Firmen kündigt an, ihr Personal bis zur Jahresmitte aufstocken zu wollen; nur acht Prozent planen einen Stellenabbau.

Eine Entlastung des Arbeitsmarkts sei auch dringend erforderlich, sagte van der Walle. Die Statistik weise für den März zwar eine geringfügig gesunkene Arbeitslosenquote aus. „Aber mit 11,3 Prozent liegen wir immer noch vier Prozentpunkte über der Durchschnittsquote des Landes und führen auch die Riege der kreisfreien Städte an“, sagte van der Walle. Für die Risikogruppe der Dauerarbeitslosen ohne Berufs- oder Schulabschluss könnten in Neumünster neue Perspektiven in Form von einfachen Anlerntätigkeiten bereit gestellt werden, sagte der UVM-Chef auch mit Blick auf das Ansiedlungsgebiet an der A7.

Allerdings sieht der Unternehmensverband auch einige Störfaktoren. Hierzu zählte van der Walle den 2015 kommenden Mindestlohn von 8,50 Euro die Stunde. Das werde zum Verlust von Arbeitsplätzen mit geringen Qualifikationsanforderungen führen. Es gebe erste Anzeichen, dass Betriebe im Sozialbereich schon jetzt Mitarbeiter entließen. Als weitere gefährdete Bereiche nannte van der Walle die Taxibranche und das Friseurhandwerk.

„Über ein weiteres Handicap soll per Bürgerentscheid am 25. Mai entschieden werden: die mögliche Sperrung des Großfleckens für den Durchgangsverkehr“, sagte van der Walle. Der Unternehmensverband hatte sich schon früh dagegen ausgesprochen und sieht sich nun durch eine aktuelle Umfrage bestätigt: Sämtliche Unternehmen, die direkt oder mittelbar von einer Sperrung betroffen wären, haben sich dagegen ausgesprochen. Selbst nicht betroffene Firmen lehnen eine Durchfahrsperre mit Zweidrittelmehrheit ab.

Als „Fehlinvestition“ bezeichnete van der Walle die Teilnahme am „Interreg 5A“-Programm für die deutsch-dänische Region. Es sei zweifelhaft, ob sich die Ausgabe (250 000 Euro bis 2020) für zweifelhafte Förderchancen auszahle. „Wir halten es für falsch, die regionalen Bezugspunkte für Neumünster beliebig auszudehnen oder zu wechseln“, so van der Walle. Mit dem Bekenntnis zur Metropolregion Hamburg habe sich Neumünster bestens aufgestellt. Und auch zur Wirtschaftsagentur bezog der UVM klar Position: Van der Walle erteilte Bestrebungen der Politik, den Einfluss der Wirtschaft durch eine veränderte Zusammensetzung des Aufsichtsrats zu schmälern, eine klare Absage.

Kommentar: Klare Worte

So klare Warnungen des Unternehmensverbands  vor Fehlorientierungen  gab es lange nicht mehr. Großflecken-Sperre? Nein, das vergrault die Kundschaft aus der Innenstadt! Mindestlohn? Nein, das nimmt gerade gering Qualifizierten die Chance, wieder am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen! Mehr politischer Einfluss auf die Wirtschaftsagentur? Nein, Unternehmen wissen am besten um die Bedürfnisse und Probleme der Wirtschaft! Nach zuletzt viel Lob an die Adresse der Kommunalpolitik deuten sich nun wieder mehr Konfliktlinien an. Vor allem zur  SPD, die sich diese Themen auf ihre Fahnen geschrieben hat.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen