Herbstumfrage : Unternehmen sind weniger optimistisch

Jens van der Walle (von links) vom Unternehmensverband Mittelholstein stellte mit den Geschäftsführern Dr. Hans-Jürgen Völz und Gerd Kühl sowie UVM-Vize Ulf Michel die Herbstumfrage vor.
Jens van der Walle (von links) vom Unternehmensverband Mittelholstein stellte mit den Geschäftsführern Dr. Hans-Jürgen Völz und Gerd Kühl sowie UVM-Vize Ulf Michel die Herbstumfrage vor.

Unternehmensverband Mittelholstein begrüßt den Abbruch des Verkehrsversuchs

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08. November 2013, 05:30 Uhr

Die Wirtschaft in der Stadt ist weiter stabil, doch der Unternehmensverband Mittelholstein (UVM) sieht erste Warnsignale für die Konjunktur. „Von der noch im vergangenen Jahr registrierten Herbstbelebung kann keine Rede sein“, sagte der UVM-Vorsitzende Jens van der Walle gestern bei der Vorstellung einer Umfrage unter 97 Mitgliedsbetrieben mit rund 15 000 Beschäftigten.

„Die Investitionsbereitschaft ist durch die Bank schwach“, sagte van der Walle. Erstmals seit Langem wollen die Unternehmen unter dem Strich 69 Arbeitsplätze abbauen. Vor einem Jahr meldete der UVM noch einen Anstieg von 32 Arbeitsplätzen. Nur scheinbar im Widerspruch dazu steht, dass zwei Drittel der Firmen klagen, die Besetzung von Arbeits- und Ausbildungsplätzen sei schwieriger geworden. Durch den demografischen Wandel mangele es Unternehmen „schlicht an ausbildungswilligem und ausbildungsfähigem Nachwuchs“, sagte van der Walle.

Im Branchenvergleich steht die chemische Industrie noch am besten da. „Der Sektor Gesundheit und Pflege führt das Feld beim Aufbau zusätzlicher Arbeitsplätze an“, sagte van der Walles Stellvertreter Ulf Michel. Die Metallindustrie sehe das Jahr dagegen eher mit gemischten Gefühlen, und auch der Bau erwartet niedrigere Umsätze. Die rote Laterne trägt die Abfall- und Recycling-Branche. Michels Fazit: „Die Dynamik hat sich spürbar abgeschwächt.“

Auch zur Kommunalpolitik äußerte sich der Unternehmensverband. Er begrüßt die Entscheidung der Ratsversammlung, den Verkehrsversuch zu beenden. „Verkehrsversuche auf dem Rücken der Wirtschaft in dem für viele Betriebe existenziellen Weihnachtsgeschäft fortzusetzen, wäre verantwortungslos“, sagte van der Walle.

Michel: „Die Stadtverwaltung ist gut beraten, sich im kommenden Jahr voll und ganz auf die Revitalisierung der Innenstadt zu konzentrieren und weitere Geschäftsansiedlungen zu begleiten.“ Michel wies darauf hin, dass das Designer-Outlet-Center dem Neumünsteraner Handel, auch dem in der Innenstadt, positive Impulse verliehen habe. Einen ähnlichen Schub erwartet er vom Innenstadt-Einkaufszentrum. An der Rückseite des Centers werde der aus Neumünster stammende, international bekannte Architekt Henning Stüben einen besonderen Hingucker bauen, berichtete Michel und nannte das eine gute Reklame für die Stadt.

Der Abriss im Sager-Viertel und der Neubau des ECE-Centers werde Verkehrsbehinderungen mit sich bringen. Dafür sei ein gutes Baustellenmanagement nötig. Auch für den sechsspurigen Ausbau der Autobahn 7 müsse sich die Stadt rüsten. Wenn der Verkehr dann bei einem A7-Unfall durch die Stadt geleitet wird, dürfe diese nicht durch innerstädtische Baustellen blockiert sein. Bauunternehmer Ulf Michel ist zuversichtlich: Die Verwaltung habe beim Verkehrsversuch und den Baustellen gelernt.

Für den neuen UVM-Geschäftsführer Dr. Hans-Jürgen Völz war es die erste Herbst-Pressekonferenz, für Gerd Kühl die letzte: Er wird in der kommenden Woche nach 35 Jahren in Diensten des Unternehmensverbands in den Ruhestand verabschiedet.

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