Neumünster : Unmut über Gadelander Bauprojekt

„So werden wir auf das neue Gebäude schauen“: Heinz Wendt veranschaulicht vor dem Mühlengebäude den geschätzten Abstand zum neuen Bauprojekt. Allerdings hat der Investor inzwischen den Abstand um acht Meter erhöht.
„So werden wir auf das neue Gebäude schauen“: Heinz Wendt veranschaulicht vor dem Mühlengebäude den geschätzten Abstand zum neuen Bauprojekt. Allerdings hat der Investor inzwischen den Abstand um acht Meter erhöht.

Mühlen-Eigentümer kritisieren bei geplanten Seniorenwohnungen mangelnden Abstand und zu große Höhe. Beirat machte Ortstermin

shz.de von
29. Juni 2018, 08:00 Uhr

Neumünster | Der Stadtteilbeirat Gadeland hat einen neuen Vorsitzenden: Dr. Wolfgang Stein (FDP) wurde auf der konstituierenden Sitzung jetzt mit vier zu drei Stimmen gewählt. Damit löst er Dr. Volker Matthée (CDU) ab, der den Beirat zehn Jahre lang leitete. „Ich gehe im Oktober in den Ruhestand und stehe für diesen Posten nicht mehr zur Verfügung“, sagte der 65-Jährige. Stein, der Matthée für sein Engagement dankte, hatte als Erstes die Aufgabe, die Diskussion über das Senioren-Wohnprojekt an der Segeberger Straße 36+38 in geordnete Bahnen zu lenken.

Denn die Wogen schlagen weiterhin hoch: Die Dimensionen des geplanten viergeschossigen Wohnungsblocks versetzen die Familie Wendt als Inhaber der Gadelander Mühle in Existenzängste. Entstehen sollen 59 Wohnungen. Investitionsvolumen: zehn Millionen Euro (der Courier berichtete).

Der Beirat hatte sich vor der Sitzung bei einem Ortstermin auf dem Firmengelände einen Überblick über die Gegebenheiten verschafft. Karsten Wendt zeigte an der nördlichen Grenze seines Grundstücks die bereits erfolgten Lärmschutzmaßnahmen gegen die herangerückte Wohnbebauung – einen meterhohen Lärmschutzwall und eine Obstwiese. An der südlichen Grundstücksgrenze verdeutlichte Wendt seine Bedenken, dass das neue Bauprojekt zu nahe am Firmengelände und zu hoch werden würde. Mit deutlichen Worten und in teils emotional geführten Gesprächen machte er sich Luft: „Die Investoren lassen die zukünftigen Bewohner ins Messer laufen. Wenn die sich über Lärm oder Emissionen beschweren, geht Wohnraum vor Gewerbe, das ist meine Erfahrung.“ Nachdem er kategorisch den „Kasten“ ablehnte, korrigierte er auf Courier-Nachfrage: „Flachbauten ja, maximal zweigeschossig und Einzelhäuser“ wären akzeptabel.

Das Thema setzte sich auf der Beiratssitzung fort. „Die Diskussion geht durch den Stadtteil, dass das Projekt überdimensioniert ist“, sagte der ehemalige Beiratsvorsitzende Peter Braker, der neben Karsten Wendt im Publikum saß. Investor Hans-Christian Mergel meldete sich zu Wort: Der Abstand werde um acht Meter auf knapp 13 Meter erhöht, außerdem werde die Anzahl der Wohnungen auf 52 reduziert. Gadelander hätten ein Vorkaufsrecht. Noch werde am Brandschutz gefeilt, dann werde er den Bauantrag stellen.

Wolfgang Stein beendete sachlich die Diskussion: Der Beirat sei weder ein Forum zur Vermarktung von Wohnungen, noch eine Plattform für die Auseinandersetzung privater Parteien. „Das ist ein reines Verwaltungsverfahren, das nicht politisch entschieden wird.“ Der Stadtteilbeirat werde alles genau verfolgen.

Der neue Stadtteilbeirat: Dr. Wolfgang Stein (Vorsitzender, FDP-Kreisvorsitzender), Alexandra Mallon (SPD, Steins Stellvertreterin, gewählt mit vier zu zwei Stimmen, eine Enthaltung) und – neu dabei – Jan Hinrich Köster, Tristan Doege (beide CDU), Klaus-Peter Voigt (BfB) sowie Dr. Doris Jansen (von den Grünen aufgestellt, aber parteilos).




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