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Uninspirierter Theaterabend mit wenigen amüsanten Wortgefechten

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Moritz Rinke, geboren 1967 in Worpswede, Theaterautor und Romancier, versucht in ironisch-skurriler Weise hinter die Fassaden und Verhaltensmuster seiner eigenen Generation zu sehen. „Totale Vernetzung“ oder „digitale Abstinenz“, das sind die Pole um die sich sein Schauspiel „Wir lieben und wissen nichts“ (Uraufführung 2010) dreht. 450 Theaterbesucher sahen das Stück in einem Gastspiel der Landesbühne Niedersachsen Nord/Wilhelmshaven im Theater in der Stadthalle.

Rinke verfährt nach einer bewährten, aber von ihm nicht recht beherrschten Methode: Man nehme zwei Paare, setze sie einer Laborsituation aus und warte ab, was passiert. Der Laborraum im Stück ist eine leergeräumte Wohnung (gutes Bühnenbild von Britta Langanke), denn Hannah (sie coacht gestresste Banker) und Sebastian (erfolgloser Kunsthistoriker) tauschen berufsbedingt auf Zeit ihr Zuhause mit Roman (Satellitenexperte) und Magdalena (Tiertherapeutin in Teilzeit). Doch kurz bevor die neuen Mieter klingeln, lässt Sebastian die Bombe platzen, er will nicht schon wieder „umgesiedelt“ werden und schon gar nicht ins dekadente Zürich.

90 Minuten lang hetzt Rinke die vier Protagonisten mit ihren gänzlich unterschiedlichen Lebensentwürfen und Sehnsüchten aufeinander. Was da zutage kommt, ist eine merkwürdig unbefriedigende Mischung aus Skurrilität, Zynismus, Nonsens, Banalität – mit einem Touch hintergründiger Traurigkeit.

Rinke gelingen die ersten Szenen entschieden besser als der sexuell überfrachtete Schlussteil, den auch Regisseur Ingo Putz szenisch nicht wirklich in den Griff bekam. Die vier Darsteller bemühten sich nach Kräften, ihren Figuren Profil zu geben. Das gelang den beiden von ihren Partnern „untergebutterten“ Personen am überzeugendsten: Aom Flury war ein durchaus sympathischer Sebastian mit all seinen Macken und seiner nicht ganz unberechtigten Gesellschafts- und Kulturkritik. Ihm innerlich verwandt fühlte sich die wunderliche Magdalena, die ihren ganzen Frust am Ende über Bord warf und von Anna Rausch mit vielen beachtenswerten Nuancen gespielt wurde.

Klischeehafter blieben die „Macher“ Hannah und Roman, die ebenfalls eine Alliance schmiedeten: Kathrin Ost wirkte wie in ein Korsett eingeschnürt und verlor doch am Ende jegliche Contenance; Benno Schulz gab den verbohrten, unlebendigen Technik-Freak, der dem Weltraum immer näher war als seinen Mitmenschen. Die Schauspieler erhielten für ihr Engagement verdienten Beifall.

„Wir lieben und wissen nichts“ war ein Theaterabend, der mit einigen amüsanten Wortgefechten begann, dann uninspiriert dahindümpelte, reichlich plump endete und letztlich im Sande verlief – ohne dem Zuschauer etwas an intellektuellem Zugewinn gebracht zu haben. Wir sahen das Stück und wissen (immer noch) nichts!


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