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Holsteinischer Courier

11. Dezember 2017 | 05:23 Uhr

Nortex : Ungewöhnliches Konzert im Modehaus

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Vielfalt und Qualität bestimmten das Jubiläumskonzert mit dem Kammerorchester Belarus vor fast 500 Gästen

shz.de von
erstellt am 06.Sep.2014 | 06:00 Uhr

„Heute wollen wir ein Experiment wagen“, sagte Kai Först (29). Auf Initiative des Mitgliedes der Geschäftsleitung hatte das Modehaus Nortex am Donnerstagabend zu einem außergewöhnlichen Konzert geladen. Es war besonders nicht nur wegen des Veranstaltungsortes in den eigenen Verkaufsräumen – wo tagsüber noch T-Shirts und Blusen auf Kleiderständern hingen, waren abends Stuhlreihen und eine Bühne aufgebaut – auch das Musikprogramm zeugte von Experimentierfreude.

Unter der Leitung von Ingo Ernst Reihl spielte das Staatliche Kammerorchester der Republik Belarus neben Werken von Tschaikowski und Schostakowitsch ein zeitgenössisches Stück von Oleg Jantschenko, dem Gründer des Kammerorchesters, und eines von Elmar Lampson. Seine „Musik für 15 Solostreicher“ hatte der Präsident der Hochschule für Musik und Theater Hamburg 2004 eigens für das Kammerorchester aus Minsk komponiert.

„Mit diesem Konzert wollen wir anlässlich unseres 77-jährigen Firmengeburtstages mal keine Kleidung, sondern klassische Musik zu den Menschen bringen“, erklärte Kai Först seine Idee. „Gerne auch zu denjenigen, die bisher wenig Berührung mit dieser Musik hatten. Genau wie bei unseren Kunden hoffen wir natürlich, dass die Konzertbesucher etwas Passendes für sich entdecken. Vielleicht nehmen manche nur einen Teil des Abends mit nach Hause. Vielleicht entdeckt der eine oder andere die klassische Musik für sich, und vielleicht stellt ein Dritter fest, dass er mit klassischer Musik nichts anfangen kann“, sagte Först. Interdisziplinäres Denken führte den Betriebswirt während seines Studiums nach Weißrussland, wo er das Kammerorchester kennenlernte und die Konzertidee entstand.

Als Berater wurde Professor Elmar Lampson engagiert, der den Abend im Modehaus auch eröffnete. Launig wies der Hochschulpräsident die knapp 500 Konzertbesucher in die Komplexität des Dirigierens ein, bevor das Kammerorchester ansetzte, um Lampsons Werk zu spielen. Wie für moderne Musik charakteristisch, wartete das Stück mit Klanghäppchen, Dissonanzen und kaum erkennbaren Melodien auf. Ungewöhnliche Spieltechniken erzeugten kratzende, flirrende und säuselnde Töne.

Auch wenn das Stück bei manchem Besucher Irritationen zurückließ, tat das der Kunst des Orchesters keinen Abbruch. Mit erstaunlicher Leichtigkeit erzeugten die Musiker differenzierte Töne von großer Präzision. Unterstützt wurden sie dabei vorzüglich durch ihren Dirigenten Ingo Ernst Reihl. Sicher führte er seine Streicher durch das Werk, das allen Beteiligten großes Können abverlangte.

„Das erste Stück war ganz schön schwere Kost“, befand der Zuhörer Ismail Yildez in der Pause. Großes Lob hingegen zollte der Chefarzt der FEK-Kinderklinik der Darbietung von Dmitri Schostakowitschs Kammersymphonie c-Moll. Thomas Heuer widersprach ihm: „Ich mag experimentelle Musik. Wenn man sich darauf einlässt, weckt sie Unmengen an Assoziationen. Aber nun sind wir gespannt auf Tschaikowski.“

Ihre Vorfreude sollte nicht enttäuscht werden. Ein satter Streicherklang erfüllte den gesamten Raum, als das Kammerorchester vibratoreich und melodienselig die Serenade C-Dur zum Besten gab. Das Publikum war begeistert. Trotz vorgerückter Stunde gab es Standing Ovations und als Dank eine Zugabe vom Orchester.

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