„Unfallopfer“ zockten 4900 Euro ab

Amtsgericht entlässt Mithelfer mit elf Monaten Haft auf Bewährung

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13. Juni 2018, 14:07 Uhr

Die miese Masche war grob gestrickt, verfing aber dennoch – vielleicht auch, weil dem Opfer kräftig Gewinn winkte.

Der Mann war vor einer Bank von zwei Gaunern angesprochen worden, die sich als Touristen aus Schweden ausgaben. Sie hätten in Neumünster einen Unfall mit einem Israeli gehabt und wollten jetzt einen Arzt aufsuchen – dazu würden sie allerdings dringend Bargeld benötigten.

Das Opfer hielt die internationale Geschichte offenbar für glaubwürdig, zumal die beiden Touristen als Sicherheit eine „wertvolle Golduhr“ anboten. Das Opfer akzeptierte das Pfand und händigte den scheinbar gut betuchten Touristen 4900 Euro als „Bar-Kredit“ aus.

Die „Touristen“ verschwanden, ebenso die 4900 Euro Kredit. Die „wertvolle Golduhr“ stellte sich als wertlos heraus.

Einen der beiden Männer konnte die Polizei später fassen, gestern musste sich der 58-jährige Mazedonier wegen gemeinschaftlichen Betrugs in einem besonders schweren Fall vor dem Amtsgericht verantworten – und machte „reinen Tisch“.

Der Betrug an dem Neumünsteraner habe sich so abgespielt wie vom Staatsanwalt vorgetragen, räumte der Mann ein, bedauerte dabei gleich noch einmal zwei ähnliche Betrügereien im Stuttgarter Raum, für die er bereits verurteilt worden ist, versäumte dabei aber nicht, die eigene Rolle kleinzureden.

Wie sein Anwalt erläuterte, habe sich sein Mandant dem Haupttäter gegenüber verpflichtet gefühlt, mitzumachen. In einer Lebenskrise mit Arbeitslosigkeit und kranker Ehefrau habe ihm der Mann mit kleinen Geldbeträgen ausgeholfen. „Mit dem Mitmachen bei den Betrügereien habe ich meine Schulden abbezahlt“, beteuerte der Angeklagte. Er selbst habe dabei nur etwa jeweils 100 oder 200 Euro erhalten.

Auch Staatsanwalt und Richter mochten dem Angeklagten die wiederholt beteuerte Reue abnehmen. Für den gemeinschaftlichen Betrug in Neumünster hielt das Gericht eine Haftstrafe von acht Monaten für angemessen. Verbunden mit einem früheren Urteil des Amtsgerichts Neuwied (bei Stuttgart) wurde daraus eine Haftstrafe von elf Monaten, die der Mazedonier allerdings nur absitzen muss, wenn er in der Bewährungszeit von drei Jahren wieder straffällig wird.

Der Tipp seines Verteidigers: „Kriegen Sie Ihr Leben wieder in den Griff, fahren Sie nach Hause zu Ihrer Frau und Ihrem Sohn und lassen Sie die Finger vom Spiel und Alkohol.“

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