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Innenstadthandel : Und wieder ein Fachgeschäft weniger

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Paper Point am Kleinflecken 31 gibt auf. Brunhild und Dietmar Volkmer fanden keinen Nachfolger. IHK: Problem wird sich weiter verschärfen

Neumünster | Bei Porzellan Horn am Großflecken läuft der Räumungsausverkauf. Und mit Paper Point am Kleinfecken 31 schließt ein weiteres alteingesessenes inhabergeführtes Fachgeschäft für immer seine Türen. Brunhild und Dietmar Volkmer geben schweren Herzens ihr Geschäft zum 25. September auf, fünf Arbeitsplätze gehen verloren. Am 31. August beginnt der Räumungsverkauf.

Das Problem sind hier weniger Umsatzeinbußen durch wegbrechende Kundschaft. „Ich bin gerade 69 geworden. Wir suchen seit vier Jahren vergeblich eine Nachfolge für das Geschäft“, sagt Dietmar Volkmer. Es gab zwar Interessenten, doch die sprangen alle wieder ab.

Ältere Neumünsteraner kennen das 1955 gegründete Papierwarengeschäft noch unter dem Namen Romey. 1997 kaufte Dietmar Volkmer es vom Insolvenzverwalter. Wolfgang Romeys Nachfolger hatten es betrügerisch in die Insolvenz gewirtschaftet. Deshalb firmierte Dietmar Volkmer auch in Paper Point um. Das Fachgeschäft handelt nicht nur mit Papierwaren und Bürobedarf, sondern ist auch Lotto- und Toto-Annahmestelle und seit vier Jahren auch Postagentur.

„Eine Mitarbeiterin hat schon etwas Neues in der Holsten-Galerie gefunden“, sagt Dietmar Volkmer. Er schließe bewusst jetzt, weil der Arbeitsmarkt im Einzelhandel durch die DOC-Erweiterung und das kommende Einkaufszentrum zurzeit gute Perspektiven biete. „Die Chancen, die Mitarbeiter unterzubringen, sind gut“, sagt Volkmer. Allerdings suchten die Geschäfte in der Holsten-Galerie vor allem Teilzeitkräfte, meint Volkmer.

Die veränderte Situation am Kleinflecken und die Aussicht auf das Einkaufszentrum hätten alle Nachfolge-Interessenten abgeschreckt. „Die Umsatzeinbußen mit dem Fortgang des Wochenmarktes waren groß. Die Laufkundschaft und die Marktbeschicker fehlen“, sagt Volkmer. Auch die Lütjenstraße funktioniere nicht mehr als Verbindung zwischen Groß- und Kleinflecken. „Die Zeiten, als die Lütjenstraße eine 1a-Lage war, sind lange vorbei“, sagt Volkmer. Als Verbraucher hofft er, „dass die Holsten-Galerie den Handel in Neumünster belebt“.

Die Unternehmensnachfolge ist ein Problem, das auch die Kammern umtreibt. Laut einer Studie stehen allein in Schleswig-Holstein in den kommenden zehn Jahren 7000 Unternehmen zur Nachfolge an. „Wir machen deshalb in Kiel, Neumünster und Elmshorn die sogenannten Stabwechsel-Börsen“, sagt Herbert Reinecke von der Industrie- und Handelskammer in Neumünster. Der nächste Termin (Anmeldung erforderlich) ist am 26. August. Auch im Handwerk ist die schwierige Unternehmensnachfolge ein Thema, betont Ulrike Petter von der Kreishandwerkerschaft Mittelholstein. Sie bietet wie die Handwerkskammer Beratung an.

Standpunkt

Handel wird von Filialisten geprägt

Ein inhabergeführtes Fachgeschäft nach dem anderen ist aus dem Stadtbild verschwunden. Auch Neumünster wird schon lange durch Filialen großer Handelsketten geprägt und unterscheidet sich damit nicht von anderen Städten. Das ist schade, denn das macht auch Neumünster ein Stück uniformer und beliebiger. Es sind gerade die kleinen Fachgeschäfte, die die Vielfalt von Handel und Dienstleistern ausmachen.  Sie können mit Service punkten, preislich aber oft nicht mit den großen Ketten mithalten. Wer diesen schleichenden Wandel im Handel  bedauert, sollte sein eigenes Einkaufsverhalten einmal kritisch unter die Lupe nehmen. Wann haben Sie zuletzt im Fachgeschäft gekauft?


 

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erstellt am 19.Aug.2015 | 07:30 Uhr

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