Und allzeit drohte der Rote Hahn

Am 21. Februar lodern auf der Insel wieder die Feuer.
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Am 21. Februar lodern auf der Insel wieder die Feuer.

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06. Februar 2019, 17:07 Uhr

Wenn es brennt: 112! - Fast jedes Kind kennt heute die Notrufnummer der Feuerwehr. Wird sie gewählt, dauert es meist nur Sekunden, bis die Profi-Retter der Einsatzleitstelle den Löschzug in Bewegung setzen. In maximal 9 Minuten sollen die Feuerwehrmänner jeden Einsatzort in der Stadt erreicht haben, um das Schlimmste zu verhindern.

Meist klappt das – und fast könnte man darüber vergessen, dass das längst nicht immer so war. Dass der „Rote Hahn“ längst nicht nur zu Kriegszeiten durch die Jahrhunderte immer wieder für Angst, Schrecken und bitteres Leid sorgte, offenbart schon ein Blick in die Archive der Stadt. Rechnet man die Großbrände vergangener Tage zusammen, dürften die Häuser des Fleckens Neumünster (der etwa um 1700 gerade mal knapp 400 Häuser mit 4000 Bewohnern hatte) wohl allesamt mindestens einmal abgebrannt sein.

Brandschutz wird Pflicht

Da erscheint es fast schon erstaunlich, dass sich erst im 17. Jahrhundert in Neumünster ein geordneter Brandschutz entwickelte. Vorausgegangen war ein verheerender Großbrand auf dem Kleinflecken im Juni 1637, bei dem auf einen Streich 37 Familien Haus, Hab und Gut verloren. Wieder mal ging das Feuer von einer Schmiede aus. Als Konsequenz verordnete die Obrigkeit, dass fortan nicht mehr als neun Schmieden im Ort sein durften. Außerdem sollten sie nur noch am Ortsrand liegen. Und jeder Jungmeister musste „von Stund’ an“ einen ledernen Feuereimer bereit halten . . .

Aber es brauchte weitere 100 Jahre und einige Großbrände mehr – allein 1650 fackelten im Ort 17 Wohn- und Gesindehäuser, 1668 weitere sieben Bürgerhäuser ab – bevor Neumünsters berühmtester Amtmann, Caspar von Saldern, die erste Feuerordnung Neumünsters erließ. Von Saldern orientierte sich dabei an den Vorbildern von Altona und Glückstadt, wo man bereits gute Erfahrungen mit der Feuerordnung  gemacht hatte. Sie verpflichtete künftig alle Meister, Gesellen und erwachsene Lehrjungen zum aktiven Brandschutz.

Wer schwänzt, muss zahlen

Im Ernstfall mussten sie sich bei der Wache zum Löschdienst melden. Wer nicht erschien oder zu spät kam, riskierte empfindliche Strafen von bis zu sechs Mark.. „Die Schmiede, Schuster und Riemer hatten den Spritzendienst zu versehen, die Sattler und Schlächter hatten nasse Rinderhäute herbeizuschaffen, die Einwohner ihre Noteimer nach der Feuerstelle zu bringen, ja selbst die Frauen und Kinder wurden mit eingespannt“, heißt es dazu etwa in der Neumünster-Chronik von Paul Sieck.

Die Dienstverpflichtung der Bürger änderte allerdings wenig an der unseligen Allianz von (massenhaften) Strohdächern und offenem Feuer etwa durch Schmieden.

Pfannen statt Stroh. . .

Zwar forderte Amtmann von Mardefeld 1757 die Fleckenvorsteher auf, darauf zu achten, „dass neue Gebäude nur noch mit Pfannen, mit Kalk unterstrichen, belegt“ werden, seine Anweisungen scheinen aber noch nicht immer befolgt worden zu sein.

. . . scherte die Leute kaum „Denn noch bis ins 19. Jahrhundert hinein gab es in Neumünster strohgedeckte Häuser“, heißt es in der Chronik von Paul Sieck: Das letzte am Großflecken, die sogenannte „Schweinebörse“, wurde 1906 abgerissen, die letzte Strohdachscheune der Stadt verschwand im selben Jahr an der Carlstraße: Sie fiel – wie sollte es anders sein – einem Feuer zum Opfer.

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