Firmenjubiläum : Unbemerkter Marktführer wird 75

Harry Lucas III. führt den von seinem Großvater 1942 gegründeten Betrieb seit 1991 in dritter Generation.
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Harry Lucas III. führt den von seinem Großvater 1942 gegründeten Betrieb seit 1991 in dritter Generation.

Die Maschinenfabrik Harry Lucas an der Gadelander Straße ist weltweit führend bei der Produktion von Kühlerschlauch-Maschinen.

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29. März 2017, 15:00 Uhr

Neumünster | „Wir haben die Stricknadel schon in die Wiege gelegt bekommen“, sagt Harry Lucas. Der 54-Jährige leitet die gleichnamige Maschinenfabrik an der Gadelander Straße 24-26 seit 1991 in dritter Generation. Sein Großvater, Harry Lucas I., gründete das Familienunternehmen 1942 mitten im Krieg in Lodz.

Die Schlosserei fertigte Vorrichtungen und Werkzeuge, reparierte aber auch Textilmaschinen. Die Kriegswirren führten zu zwei Betriebsverlagerungen und schließlich zur Flucht nach Westen und zum Neuanfang in Neumünster. Aus kleinen Anfängen baute Lucas sein Geschäft neu auf als Hersteller von Rundstrickmaschinen für die Textilindustrie. 1952 bezog das Unternehmen seinen heutigen Sitz an der Gadelander Straße.

Verkaufsschlager der 1960er-Jahre waren eine Krawattenrundstrickmaschinen und ein Automat zur Herstellung von Garnen für Teppichböden. Unter Harry Lucas II., der 1970 die Firmengeschicke übernahm, wurden die Anwendungsbereiche der Maschinen deutlich ausgeweitet. „Unsere Produktbreite ist enorm. Der Laie hat kaum eine Vorstellung, was alles gestrickt werden kann. Es gibt fast keine Branche, der wir nicht irgendeine Maschine verkaufen“, sagt Harry Lucas III. Hauptkunden seien inzwischen die Automobilindustrie, der Medizin- und Verpackungsbereich.

Bei Rundstrickautomaten für Kühlerschläuche ist Harry Lucas technologisch konkurrenzlos. Man kann getrost von einem „Hidden Champion“ sprechen, also einem von der breiten Öffentlichkeit unbemerkten Weltmarktführer aus dem deutschen Mittelstand.

Mittlerweile hat Harry Lucas mehrere Standorte. Am Hauptsitz Neumünster arbeiten 50 Mitarbeiter in der Forschung und Entwicklung, im Vertrieb und in der Endmontage. Seit 1995 gibt es in Chemnitz einen kleinen Standort für Wirkmaschinen mit zehn Beschäftigten. Seit 1996 wird mit 50 bis 60 Mitarbeitern im polnischen Chroscice als „verlängerte günstige Werkbank“ gefertigt. Daneben gibt es noch Vertriebsstandorte in den USA und in China.

„Die wesentlichen Firmenstandorte bleiben in Deutschland“, sagt Harry Lucas III. An der Gadelander Straße expandiert das Unternehmen gerade wieder, denn ein 2002 bezogener Hallenbau reicht nicht mehr aus. Eine weitere neue Montagehalle von 600 Quadratmetern Fläche ist bezugsfertig. Neumünster sei wegen seiner zentralen Lage und guten Verkehrsanbindung immer noch erste Wahl, so der Firmenchef. 80 Prozent der Maschinen gehen in den Export, die komplette Logistik wird von Neumünster aus abgewickelt.

Die Stärke von Harry Lucas ist neben der breiten Aufstellung die extrem schnelle Entwicklung. Kopierversuche laufen so ins Leere. Kommt die Billigkopie auf den Markt, ist man in Neumünster schon wieder ein, zwei entscheidende Schritte weiter. Und mit Harry Lucas IV., der im Oktober sein Masterstudium abschließt, steht die nächste Generation bereit.

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