Neumünster : Unabhängiger Rat für Prostituierte

Sabine Sütterlin-Waack (links) informierte sich bei Claudia Rabe über die Arbeit der landesweit tätigen Beratungsstelle.
Sabine Sütterlin-Waack (links) informierte sich bei Claudia Rabe über die Arbeit der landesweit tätigen Beratungsstelle.

Gleichstellungsministerin Sabine Sütterlin-Waack besuchte die Fachberatung Cara SH an der Christianstraße.

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27. Juli 2018, 08:00 Uhr

Neumünster | Ihre Klienten sprechen spanisch, polnisch, rumänisch, bulgarisch und sind fast ausschließlich weiblich. „In der Prostitution sind vorwiegend Frauen tätig“, sagt Claudia Rabe. Sie leitet die Fachberatungsstelle Cara SH an der Christianstraße.

Gestern besuchte Justiz- und Gleichstellungsministerin Sabine Sütterlin-Waack (CDU) die von der Nordkirche getragene Einrichtung. Cara SH bietet Prostituierten aller Geschlechter ein anonymes, vertrauliches und kostenloses Beratungsangebot. Es ist – anders als die verbindliche Gesundheitsberatung und Anmeldung beim Landesamt für soziale Dienste - freiwillig. Da der Internetauftritt www.cara.sh gleich in neun Sprachen Informationen bietet, bei Bedarf Dolmetscher hinzugezogen werden und die drei Cara-Spozialpädagoginnen und die Juristin die Prostituierten auch aufsuchen, hat das Angebot zudem sehr niedrige Hemmschwellen.

Seit November ist die Cara-Handynummer 0151/72 31 22 06 65 freigeschaltet, das Team selbst hat im Februar an der Christianstraße die Arbeit aufgenommen und kann seither 65 Beratungen verzeichnen. Beim Landesamt für soziale Dienste haben sich im ersten Geltungsjahr des neuen Prostituiertenschutzgesetzes bis zum 1. Juli genau 1336 Prostituierte angemeldet. „Es sind auch drei Männer und 50 Transsexuelle darunter“, sagte Ministerin Sütterlin-Waack.

Sie räumte ein, dass das Gesetz bei den Betroffenen nicht unumstritten sei. Schleswig-Holstein sei, was den Aufbau der Beratungsstrukturen angehe, aber vorbildlich. „Es geht uns darum, die kriminellen Strukturen aufzubrechen“, so die Ministerin. Sobald Gewalt und Zwang mit im Spiel seien, müsse der Staat dagegen vorgehen.

Bei Cara SH stünden laut Claudia Rabe ganz praktische, aber auch existenzielle Fragen im Fokus. „Wie bekommen ich eine Steuernummer? Wo kann ich mich krankenversichern? Wie komme ich über die Runden? Ich bin schwanger, was soll ich tun?“ Cara SH erfülle hier auch eine Lotsenfunktion zu anderen Beratungsstellen, sagt Claudia Rabe: „Wir haben gerade erst angefangen, können aber im gesamten Spektrum beraten.“

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