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16. Dezember 2017 | 08:48 Uhr

Umstrittene Pflanze wird untersucht

vom

In Großenaspe erforschen Wissenschaftler jetzt die Durchwachsene Silphie, die dort vom Betreiber einer Biogasanlage angebaut wird

shz.de von
erstellt am 01.Aug.2013 | 04:59 Uhr

Grossenaspe | Sie ist höchst umstritten: Auch auf Äckern bei Großenaspe wächst mittlerweile die Durchwachsene Silphie (Silphium perfoliatum). Naturschutzverbände laufen Sturm gegen diese Art, denn sie stammt ursprünglich aus Nordamerika und hat nach Meinung der Gegner in dieser Region nichts zu suchen. Allerdings könnte die mehrjährige Pflanze sowohl bei der Erzeugung von Biogas hilfreich sein als auch heimischen Insekten und Vögeln nützen. Deshalb soll sie nun vor Ort wissenschaftlich untersucht werden.

"Zumindest möchte ich mit der privaten Studie dazu beitragen, die Wertigkeit dieser Pflanze wissenschaftlich zu untermauern, um damit die emotionale Diskussion über die Silphie als nichtheimische Pflanze zu versachlichen", erklärte Christian Saul, Geschäftsführer der Biogasanlage in Brokenlande, bei einem Ortstermin auf einem der Testfelder.

Bis zur Erntezeit im Oktober wird nun der Biologe Andreas Haack aus Seester bei Pinneberg die vier Testäcker in Großenaspe und Süderau regelmäßig besuchen und eine Bestandsaufnahme der Insekten und Vögel vornehmen, die die Blüten besuchen. "Zu festgelegten Zeiten werden für die Untersuchung verschiedene Standorte aufgesucht und mit Vergleichsflächen von reinen Maisanbauflächen abgeglichen", erläutert der selbstständige Biologe seine Vorgehensweise.

Natürlich hat er bei seiner Forschung kein Schmetterlingsnetz mehr im Einsatz. Er nutzt die Vergrößerungstechnik eines speziellen Fernglases, mit dem er einen Ausschnitt aus dem Feld bis ins kleinste Detail beobachten kann.

Bisher hat Haak bereits mehrere Tagfalter, wie zum Beispiel das Ochsenauge, den Admiral oder auch den Großen Kohlweißling, in Großenaspe gesichtet. Dazu kommen zahlreiche Käfer und natürlich die Bienen, Hummeln und Wespen, die sich am Nektar der Pflanze gütlich tun. All diese Arten werden nun bestimmt und gezählt.

Auf die Unterschiede zwischen dem regen Treiben in einem Blütenfeld und dem eher leeren Luftraum über einem Maisacker angesprochen, erläuterte der Wissenschaftler: "Sicher kann man sehen, dass das Leben hier in den Blüten tobt. Doch was genau da fliegt und sammelt, bleibt verborgen. Darauf kann eine solche Studie in Ansätzen Antworten geben."

"Letztlich bleibt der Mais die beste Energiepflanze. Die Silphie bringt nur eine etwa 50-prozentige Energieausbeute, aber in der Biomasse sind sie vergleichbar und für Ausgleichsflächen zum Mais stellt sie eine echte Alternative dar. Eine weitere Züchtung und Forschung im Hinblick auf eine naturverträgliche Energiewende ist also sinnvoll", argumentierte Holzwirt Marius Bossen, der das Projekt begleitet.

Die Ergebnisse der rund 5000 Euro teuren Studie sollen nach dem Abschluss veröffentlicht werden, um sich auch mit anderen Erfahrungsträgern wie zum Beispiel der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft (TLL) auszutauschen. Auch dort wird unter anderem an der Silphie geforscht. Auf die kommenden Diskussionen zwischen Befürwortern und Gegnern, die nach Auswertung der Ergebnisse zu erwarten sind, sind die Experten auf alle Fälle bereits gespannt.

Weitere Informationen erhalten Interessierte über die Internetseiten unter www.ara-co2.de.

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