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Arbeitsmarkt : Umschulung gegen Fachkräftemangel

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Ausbildung junger Erwachsener ist eine Chance, Stellen zu besetzen und Chancen für Arbeitslose zu vergrößern, doch es fehlen Plätze.

Neumünster | In vielen Berufsfeldern gibt es einen Fachkräftemangel. Gleichzeitig haben viele junge Erwachsene, die noch 30 bis 40 Berufsjahre vor sich haben, keine ausreichende Qualifikation und daher kaum gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Genau diese Schnittstelle hat die Agentur für Arbeit auch in Neumünster im Auge und plädiert deshalb für betriebliche Einzelumschulungen. Doch es gibt nicht genug Plätze.

Im vergangenen Jahr nutzten 87 junge Erwachsene im Bezirk der Agentur für Arbeit diese Möglichkeit und begannen eine Ausbildung in Neumünster oder dem Kreis Rendsburg-Eckernförde. Separate Zahlen allein für Neumünster liegen nicht vor.

Bei einer betrieblichen Einzelumschulung wird die reguläre Ausbildungsdauer auf zwei Drittel gekürzt. Ansonsten ist der Ablauf mit einer ganz normalen Berufsausbildung mit dem praktischen Teil im Betrieb und der Theorie in der Berufsschule vergleichbar. Der Umschüler erhält die übliche Ausbildungsvergütung vom Ausbildungsbetrieb und bei Bedarf ergänzende Leistungen von der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter. Der Arbeitgeber bekommt die Kosten für den Berufsschulunterricht oder überbetriebliche Ausbildungsteile ersetzt.

Einer der Umschüler, die in Neumünster diese Chance ergriffen haben, ist Christian Nabbefeld (39). Eigentlich ist er gelernter Zerspanungsmechaniker, konnte in dieser Branche aber kaum Berufserfahrung sammeln. Deshalb sattelte er um, machte seinen Lkw-Führerschein. Wegen einer Diabetes musste er diesen Beruf kürzlich aufgeben. „Die Gefahr, am Steuer zu unterzuckern und einen Unfall zu verursachen ist einfach zu groß“, sagt der Neumünsteraner. Deshalb suchte er gemeinsam mit seiner Arbeitsvermittlerin nach Lösungen. Der Lehrberuf fiel aus. „Da war ich fast 15 Jahre raus“, sagt Nabbefeld.

Er entschied sich für die Umschulung. Seit Anfang August 2016 lässt er sich bei der Firma Hegenberg Trend-Center an der Esplanade zum Groß- und Außenhandelskaufmann ausbilden. „Mir gefällt es hier. Das ist hier wie Klein-Google, alles so bunt“, sagt der Neumünsteraner lachend und führt geschickt den neusten Verkaufsschlager der Firma, ein Trend-Spielzeug namens Fidget-Spinner vor. Die kleine Drehscheibe gehört in das oft farbige Sortiment des Großhandels für Trend- und Geschenkartikel. In dem Unternehmen mit sechs Mitarbeitern fühlt sich der ältere Azubi wohl. „Ich darf selbstständig arbeiten, betreue Kunden, nehme Aufträge entgegen oder bestelle den Versand. Allerdings ist es schon eine große Umstellung, wieder die Schulbank zu drücken“, sagt Christian Nabbefeld.

Sein Chef Carsten Hegenberg freut sich über den lebenserfahrenen neuen Kollegen. Die Chancen für eine Übernahme nach der Ausbildung stehen nicht schlecht. „Umschüler bringen bereits eine gute Portion Lebens- und Berufserfahrung mit. Für mich ist das ein guter Weg, den Fachkräfte-Nachwuchs zu sichern“, meint der Unternehmer.

„Ich wünsche mir noch mehr Arbeitgeber, die Umschulungsplätze zur Verfügung stellen“, sagt Michaela Bagger, Leiterin der Agentur für Arbeit Neumünster. Vor allem im Bereich Verkehr, Logistik sowie den Gesundheitsberufen ist Bedarf.  

>Infos für Arbeitslose: Tel. 0800-4555500 und für Arbeitgeber: Tel. 0800-4555520 (kostenfrei).

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erstellt am 01.Jun.2017 | 08:30 Uhr

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