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Neumünster : Umgestaltung des Großfleckens: Neues Pflaster fällt durch

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Der Bauausschuss kann den Mustern der Verwaltung nichts abgewinnen. Stadtteilbeirat und Seniorenbeirat beklagen eine mangelnde Beteiligung.

von
erstellt am 22.Mär.2015 | 07:45 Uhr

Neumünster | Die geplante Umgestaltung des Großfleckens zwischen Gänsemarkt und Karstadt-Kreisel gerät wieder ins Stocken. Der Bauausschuss billigte am Donnerstagabend zwar einhellig die vorgelegten Pläne der Verwaltung zur Verschwenkung der Fahrbahn vor dem Kuhberg-Karree, konnte den vorgestellten Pflastermustern aber nichts Gutes abgewinnen. Die Entscheidung über die Pflasterung von Rad- und Fußwegen wurde zurückgestellt.

Lediglich für die Fahrbahn konnte sich der Ausschuss zu einer Entscheidung durchringen. Sie soll wie gehabt mit Großgranit belegt werden – möglicherweise jedoch nur vorläufig. Eine endgültige Entscheidung soll es erst geben, wenn auch die anderen Pflasterprofile für Gehweg, Fußweg und Randbereiche auf dem Großflecken feststehen. Das könnte dazu führen, dass es vor der Gänsemarktkreuzung zunächst zu einem Provisorium kommt. Sollte die Entscheidung fürs Granitpflaster später durch einen neuen Beschluss revidiert werden, hätte die Stadt nach überschlägiger Schätzung von Bauamtschef Ralf-Joseph Schnittker rund 200 000 Euro in den Sand gesetzt.

Bei der Entscheidung über die Pflastertypen sollen dann auch der Stadtteilbeirat Stadtmitte, der Seniorenbeirat und der Behindertenbeauftrage der Stadt ihr Votum abgeben. Sie hatten sich in der Sitzung heftigst beschwert: Zu einer Ortsbesichtigung des Bauausschusses, auf der auch ausgiebig über die Musterpflaster diskutiert wurde, waren sie gar nicht erst eingeladen. Sie habe den Eindruck, der Stadtteilbeirat werde von der Verwaltung nur noch als notwendiges Übel wahrgenommen, schimpfte Stadtteilvorsteherin Antje Klein (SPD). Arno Jahner (SPD) vom Seniorenbeirat sprach von einer verpassten Chance, unmittelbar Bürgers Meinung einzuholen und legte nach: „Wir wollen gefragt werden!“ Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras entschuldigte sich und gelobte Besserung: Die Planungen für die Umgestaltung an der Gänsemarkt-Kreuzung liefen unter hohem Zeitdruck. „Es wird nicht wieder vorkommen“, versprach der Verwaltungschef.

Aber auch in der Sache gab es harte Worte: „Wo sind die schönen Pflaster-Ideen, die Sie uns versprochen haben? Das ist doch derselbe Käse, wie wir ihn seit Jahren kennen, aber nicht mehr wollen“, meckerte Franka Dannheiser (SPD) und wandte sich damit direkt an Bauamtschef Ralf-Joseph Schnittker. Thomas Michaelis (CDU) mokierte sich, die Verwaltung plane offenbar eine „Stadt in Grau“. Das sei aber nicht das, was die Politik beschlossen habe.

In ihrer Musterschau, die am Donnerstagabend auch im Rathaus-Foyer aufgebaut war, sehen die Planer glatte Betonsteine für den Radweg und einen glatten gelben Klinker-Verbund für die geplanten Aufpflasterungen (Fußgängerfurten) vor. Für die Gehflächen favorisiert die Stadt das Betonstein-Muster, wie es bereits vor den Ladenzeilen des Großfleckens verlegt ist, etwa vor Karstadt. Jetzt soll die Bauverwaltung bis zur nächsten Sitzung neue Vorschläge unterbreiten.

Nur mit Mühe konnte Bauamtschef Schnittker den Ausschuss überzeugen, zumindest das Pflaster für die Fahrbahn zwischen Gänsemarkt und Karstadt-Kreisel freizugeben, um den Fahrplan für den Umbau der Gänsemarkt-Kreuzung nicht ins Wanken zu bringen. Bis zum Start der Holsten-Galerie im November sollen die Kreuzungsarme aus Richtung Bahnhof und Rathaus um jeweils eine Rechtsabbiegespur erweitert werden. Dazu hat sich die Stadt gegenüber der Holsten-Galerie verpflichtet (der Courier berichtete).

Wie sich die Straßen und Wege vor der Gänsemarkt-Kreuzung verschieben, lässt sich seit gestern für jedermann vor Ort studieren. Beim Ortstermin waren die wichtigsten Trassenänderungen mit blauer Farbe aufs Pflaster markiert worden.

 

STANDPUNKT

von Jens Bluhm

Zugegeben, die  von der Stadt vorgeschlagenen Pflasterproben sprühen nicht gerade vor Einfallsreichtum.   Wer die im Rathaus ausgestellten  Muster inspiziert, muss nicht lange nach den Fugen und  potenziellen Stolperfallen suchen, von denen sich die Stadt eigentlich nach jahrelangem  Zaudern  verabschieden wollte. Nun aber wortgewaltig  auf die Verwaltung einzuprügeln, ist dennoch nicht ganz fair. Im Eilverfahren hat die noch einmal die Kreuzung am Gänsemarkt umgeplant, weil die Politik nun doch die Idee ganz nett fand,  Holsten-Galerie und  City mit einem feinen Boulevard zu verbinden. Eine Entscheidung  kurz vor Ultimo. Und wieso gibt es in Neumünster  noch keine  klare Leitlinie, wie bei Umbauten ein möglichst einheitliches Erscheinungsbild, ein  Stadtbild aus einem Guss, zu schaffen ist?  Das hätte die Politik längst abstellen können.  Wenn der Großflecken zum Flickenteppich wird, ist daran nicht  die Verwaltung Schuld.

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