zur Navigation springen

Nach Überfällen : Umfrage in Neumünster: Frauen auf der Straße - aufmerksam, aber ohne Angst

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Meldungen über Übergriffe lassen viele Frauen kalt.

Neumünster | Erst Köln und Hamburg zu Silvester – dann Neumünster Ende Januar: Gleich drei Überfälle auf Frauen innerhalb einer Woche lassen auch an der Schwale aufhorchen: Sind Frauen auf der Straße nicht mehr sicher? – Natürlich ist das übertrieben, aber die Angst ist da: Taxifahrer verzeichnen mehr abendliche Touren, Selbstverteidigungskurse sind gefragt wie nie, und Pfefferspray wird zum Standard in der Handtasche. Und jetzt belegt auch noch die Dunkelfeldstudie des Landeskriminalamtes, dass nur ein Bruchteil aller Übergriffe angezeigt wird. Gerade mal 7,9 Prozent der in der Studie offenbarten Sexualdelikte wurden demnach polizeilich registriert. Ist die Gefahr, Opfer zu werden, also in Wahrheit viel größer? Der Courier fragte nach dem Zufallsprinzip Frauen auf der Straße, wie sicher sie sich noch fühlen.

Ingeborg Koch (63) aus der Innenstadt hat nach den Übergriffen keine Angst: „Ich gehe jeden Tag durch die Stadt, auch abends, und fühle mich dabei nicht unwohl. Was ich schlimm finde, ist Stimmungsmache. So wie man auf die Menschen zugeht, so kommt es auch zurück.“

Auch Irma Timpe (60) aus Ruthenberg hat bislang noch keine schlechten Erfahrungen gemacht. „Ich bin nicht ängstlich, das hat sich auch durch die Vorfälle in der Stadt nicht geändert. Und wenn ich auf die Situation in Köln blicke, meine ich, dass sich das mit Neumünster nicht vergleichen lässt.“

Elke Rothermel (46) aus Wasbek schätzt die Situation in Neumünster ein wenig anders ein: „Ich bin abends oft an der Straße Am Alten Kirchhof unterwegs und fühle mich da schon etwas unsicher. Die Vorfälle in der Stadt geben mir auf jeden Fall zu denken.“ Pfefferspray oder andere Utensilien zur Selbstverteidigung hat sie jedoch nicht dabei: „Davon halte ich nichts.“

Fabienne Buthke (34) aus der Innenstadt ist ebenfalls verunsichert: „Ich muss sagen, dass es schon anders ist als früher. Ich bin eigentlich kein ängstlicher Mensch, aber man ist schon vorsichtiger geworden. Wenn es dunkel wird, gehe ich alleine nicht mehr raus.“

Als Berufspendlerin hat Kim Dorn (23) stets ein Pfefferspray dabei und meidet abends dunkle Ecken wie Rencks Park . Das sei aber „schon immer so gewesen, nicht erst seit Silvester“, betont die junge Frau aus der Innenstadt, die sich aber nicht bange machen lassen will.

„Vorsicht ja, Angst nein!“, ist auch die Devise von Veronika Pollok (56). „Nach den vielen Meldungen der vergangenen Wochen guckt man schon mal mehr nach rechts und links“, räumt die Tungendorferin ein, die täglich auch im Dunkeln mit dem Rad unterwegs ist und das auch künftig ohne Einschränkungen tun will, wie sie unterstreicht. „Man ist aufmerksamer geworden, aber das ändert nicht mein Leben“, sagt sie.

Auch Beatrix Kleen (51) will sich nicht verunsichern lassen: „Es kann immer was passieren.“ Angst habe sie nicht, sagt die hochgewachsene Frau aus der Innenstadt. Vorsicht sei aber immer angeraten, weshalb sie etwa die Wagentüren verriegelt, wenn sie irgendwo länger hält. Dann wird sie aber doch nachdenklich: Vor ein paar Tagen hat sie spätabends bei ihrer Bank noch Geld gezogen. „Ich weiß nicht, ob ich das künftig noch machen würde.“

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen