Jacoby-Bürgergilde in Neumünster : Um 18.47 Uhr fiel der Vogel

Die Gilde marschiert über den Großflecken – die Offiziere und die Fahne vorneweg.
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Die Gilde marschiert über den Großflecken – die Offiziere und die Fahne vorneweg.

Der neue König geht als Jörg I. in die Gilde-Annalen ein. Vater Jürgen Koepsell gehörte zu den ersten Gratulanten.

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24. Mai 2018, 07:30 Uhr

Neumünster | Die Jacoby-Bürgergilde zu Neumünster seit 1578 hat eine neue Majestät. Um 18.47 Uhr holte Königsschütze Thomas Kohrt den hölzernen Vogel im Tierpark herunter und machte damit Jörg Koepsell zum neuen Gildekönig. Der selbstständige Kfz-Meister ist seit 2007 Gilde-Mitglied und war aber völlig perplex. „Ich bin wirklich überrascht und überfallen. Damit war nicht zu rechnen. Ich werde mein Bestes geben, um das Amt auszuführen“, sagte der neue Gildekönig. Zu den ersten Gratulanten zählte Koepsells Vater Jürgen, der ebenfalls der Jacoby-Bürgergilde angehört. Beide führen den Kfz-Betrieb an der Haberstraße gemeinsam.

Geschossen wurde seit 11 Uhr auf der Vogelwiese im Tierpark. Nach strengem Reglement in der Reihenfolge Zitrone, Krone, Schleswig-Holstein-Fahne, Deutschland-Fahne, Reichsapfel, Klaue links, Klaue rechts, linker Flügel, rechter Flügel, Schwanz, Kopf und zuletzt der Rumpf. „So 2000 Schuss sind es in der Regel“, sagte Gildeschreiber Andreas Brandt, der akribisch die Schützenliste führte. „Wir leben die Gilde. Das ist alle zwei Jahre beim Vogelschießen immer ein schöner Tag“, sagte Frank Heeschen.

Begonnen hatte der Gildetag zeitig um 6.30 Uhr in der Früh mit dem Antreten vor dem Caspar-von-Saldern-Haus. Der Gilde-Dienstbefehl gab ganz klar die Kleiderordnung bei den „Grönen Mützen“ vor: Schwarzer Anzug, Tannengrün im Knopfloch, weiße Fliege, grüne Mütze mit Tannengrün, Gildezeichen, weiße Handschuhe. Die Gewehrträger des 2. Zuges hatten ihre Luftbüchse mit einer Blume in der Laufmündung zu schmücken.

Zeit, innezuhalten und sich vor dem Vogelschießen noch einmal zu besinnen, bot die Betstunde in der Vicelinkirche. Die Gilden fühlten sich der christlichen Nächstenliebe und Fürsorge verpflichtet, verkörperten Tradition und Rituale, die heute wichtiger seien denn je, betonte Pastorin Simone Bremer in ihrer Predigt und wünschte für das Vogelschießen einen erbaulichen Tag. Beim anschließenden Marsch durch die Innenstadt reichten Geschäftsleute und auch das Courier-Team eine kleine Stärkung. Die Mühlenhofschule zeigte wie in den Vorjahren ihre Verbundenheit zur Jacoby-Gilde mit einem Spalier aus Fähnchen schwenkenden Grundschülern.

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