zur Navigation springen

Kommunalwahl : Überraschung und prominente Opfer

vom

Gestandene Kommunalpolitiker verpassten den Wiedereinzug in die Ratsversammlung. Neues Zählverfahren und einige Ungereimtheiten.

shz.de von
erstellt am 28.Mai.2013 | 07:42 Uhr

Neumünster | Der neuen Ratsversammlung werden einige gestandene Kommunalpolitiker nicht mehr angehören. Darunter sind Ausschussvorsitzende wie die Sozialdemokraten Reinhard Arens und Jürgen Böckenhauer. Sie verfehlten in ihren Wahlkreisen - wie auch Oliver Sundermann (SPD), Sighild Klamt und Andrea Pries (beide CDU) - das Direktmandat und schafften es auch nicht über die Liste. Wegen des Absturzes der Liberalen ist auch der FDP-Kreisvorsitzende Reinhard Ruge künftig nicht mehr dabei.

Umgekehrt gelang Volker Andresen (SPD) und Klaus Grassau (CDU) trotz ihrer aussichtslosen Listenplätze 18 der Sprung in den Rat. Andresen kegelte in Wahlkreis 19 Sighild Klamt aus dem Rat, Grassau siegte im vormals "roten" Tungendorf im Wahlkreis 4 gegen Böckenhauer. Für ein Direktmandat reichten Heidemarie Stephan (SPD) im Wahlkreis 6 (Vicelinviertel) bereits 235 Stimmen, um sich gegen Refik Mor (CDU, 227 Stimmen) zu behaupten. Im Vicelinviertel war die Wahlbeteiligung allerdings auch am schwächsten. Bei 21,5 Prozent ging hier nur gut jeder Fünfte wählen. Im Einfelder Wahlkreis 2 waren selbst 469 Stimmen zu wenig für Sandra Weiß (CDU), um sich gegen Manfred Zielke (SPD) durchzusetzen. Mor und Sandra Weiß zogen aber über die CDU-Liste in den Rat ein.

Die insgesamt schwache Wahlbeteiligung von 39,8 Prozent ist mit ein Grund dafür, dass die Piraten mit 2,1 Prozent und auch die rechtsextreme NPD mit 1,6 Prozent der Stimmen einen Sitz erhielten. Das erstmals bei einer Kommunalwahl angewandte Zählverfahren nach Sainte-Lague/Schepers benachteiligt die kleineren Parteien zwar nicht mehr so stark wie das alte Verfahren nach d’Hondt. Es führte aber ebenfalls zu kuriosen Ergebnissen bei der Sitzverteilung. So errang die CDU als stärkste Partei mit 36,5 Prozent der Stimmen 16 Mandate. Die SPD kommt mit 34 Prozent auf 14 Sitze. Trotz eines minimal besseren Abschneidens als vor fünf Jahren verliert die SPD einen Sitz.

2,5 Prozentpunkte Unterschied zwischen CDU und SPD machen in dieser speziellen Situation zwei Mandate aus. Hätte die Ratsversammlung 44 statt 43 Sitze, wäre beim gleichen Wahlergebnis auch der 44. und letzte Sitz an die CDU gegangen. "Verlierer" dieses Zählmodus ist die Linke, die 3 Prozent der Stimmen holte und dennoch mit Jonny Griese nur einen Vertreter in den Rat entsendet.

Ein Wahlsieger sind die Grünen, die in allen 22 Wahlkreisen zweistellige Ergebnisse einfuhren. Bemerkenswert ist auch das Abschneiden vom Bündnis für Bürger (BFB): 2008 als Linke angetreten, schaffte die Partei im bürgerlichen Gadelander Wahlkreis 12 durch Gero Walther mit 11,4 Prozent ihr zweitbestes Ergebnis. Hier dürfte die Unterstützung für die Bürgerinitiative gegen das geplante Einkaufszentrum dem BFB Stimmen beschert haben.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen