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Mühbrook : Über die strittige Windkraft wurde nicht gesprochen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Mühbrook bekommt keine Gedenktafel für Opfer des Todesmarsches.

shz.de von
erstellt am 17.Feb.2017 | 08:00 Uhr

Mühbrook | Das strittige Thema Windkraft hat am Mittwochabend rund 20 Mühbrooker zur Gemeindevertretersitzung ins Feuerwehrgerätehaus gezogen – auch wenn es gar nicht auf der Tagesordnung stand. „Die meisten sind deswegen hier. Die 200 Meter hohen Masten wollen wir nicht haben“, sagte eine Dorfbewohnerin, die auf die Einwohnerfragestunde hoffte. Doch trotz des Interesses verwies Bürgermeister Wulf Klüver ausschließlich auf die Informationsveranstaltung, die das Amt am kommenden Montag ab 19 Uhr in Bordesholm in der Sporthalle der Lindenschule veranstaltet (der Courier berichtete).

Um Energiegewinnung ging es auch im nächsten Tagesordnungspunkt: Gerriet Arndt vom Planungsbüro „Solar Wind“ stellte eine Solaranlage vor. Das Projekt war bereits 2011 Thema in Mühbrook, scheiterte damals aber an der Frage der Planungskosten. Als „ideale Fläche“ bezeichnete der Referent ein Areal südlich der Kiesabbaugrube von Mühbrook und östlich der Bahnlinie Kiel-Neumünster. Auf 10 bis 15 Hektar könnten dort Solarplatten aufgebaut werden, die mit einer Produktionsleistung von rund 9,5 Megawatt im Jahr 2500 Haushalte versorgen könnten. Bebaut werden darf nur ein 110 Meter breiter Streifen. Die Kosten liegen bei etwa acht bis neun Millionen Euro. Die Anlage wird finanziell für mindestens 20 Jahre gefördert. Sollte die Gemeinde sich für Fotovoltaik entscheiden, könnte zur Jahreswende 2018/2019 der Betrieb starten. „Ich sehe nur Vorteile“, sagte ein Bürger. Ihn begeisterte, dass Solaranlagen Arndts Ausführungen zufolge geräuschlos sind, keine elektromagnetischen Wellen abgeben und keinen Einfluss auf die Tier- und Pflanzenwelt haben. Der Vorteil für die Gemeinde liegt außerdem in den Einnahmen aus der Gewerbesteuer. Zu bedenken sei, dass sich eine Genossenschaft bei der Höhe der Investition nicht lohne und der Flächenverbrauch für Solaranlagen höher ist als bei Windkraft. Außerdem liefere die Windkraft mehr Energie.

Gespalten war die Gemeindevertretung in der Frage, ob im Dorf eine Gedenktafel stehen soll, die an zwei 1945 in Mühbrook Erschossene erinnert. Mit Vier Ja- und vier Nein-Stimmen entschied sich die Kommune in geheimer Wahl gegen eine Manifestation der Erinnerung. Gegen Kriegsende hatten die Nazis Gefangene des Konzentrationslagers Hamburg-Fuhlsbüttel zu Fuß nach Kiel-Hassee getrieben. Am 15. April wurden in Mühbrook zwei Männer vom Wachtrupp erschossen (der Courier berichtete). Mühbrook ist damit die einzige von sechs Stationen auf der Route des Todesmarschs, die kein Interesse hat, eine Tafel aufzustellen. In Einfeld, Wittorferfeld, Kisdorferfeld, Kaltenkirchen und Bad Bramstedt stehen Tafeln, oder sie werden noch errichtet.

Weil die Betriebskosten der Kindertagesstätte aktuell nur zu 26 Prozent über den Elternbeitrag finanziert werden, müsste die Gemeinde eine zehnprozentige Erhöhung vornehmen. „Aus sozialen Gründen trägt die Gemeinde aber fünf Prozent“, sagte Bürgermeister Wulf Klüver. Das bedeutet, dass ab 1. August für die Regelgruppe der über Dreijährigen anstelle von 147 Euro etwa 172 Euro anfallen.

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