zur Navigation springen

NOTRUF : Über die Hälfte der Notfälle sind keine

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Immer mehr Neumünsteraner wählen bei leichteren Erkrankungen die 112.

Neumünster | Die seit Wochen anhaltenden Rückenschmerzen werden schlimmer, doch der Orthopäde hat frühestens in einem Monat einen Termin frei. Oder: Am Wochenende will die Nase nicht aufhören zu bluten. Der Hausarzt ist aber nicht erreichbar. In Fällen wie diesen wählen die Neumünsteraner immer häufiger den Notruf und lassen sich mit einem Rettungswagen ins Friedrich-Ebert-Krankenhaus (FEK) fahren.

„Etwas mehr als die Hälfte der Patienten, die unsere Notaufnahme aufsuchen, haben keine Notfallerkrankung im Sinne des Sozialgesetzbuches, sondern Erkrankungen aus dem hausärztlichen Bereich. Bei ihnen gibt es keine starken Schmerzen oder gar eine Gefahr für Leib und Leben“, sagt Dr. Alexander Adelhelm, ärztlicher Leiter der Zentralen Notaufnahme im FEK. Auch die Berufsfeuerwehr schlägt Alarm: Im Brandschutzausschuss kritisierte der Chef, Sven Kasulke, in der vergangenen Woche „die Vollkasko-Mentalität der Bürger. Das ist neben dem demografischen Wandel und seinen Folgen mit der Hauptgrund dafür, dass die Einsatzfahrten im Rettungsdienst explodieren“, sagte Kasulke.

Die Folge: Die erst im Oktober 2014 eingeweihte neue Rettungswache im Gefahrenabwehrzentrum ist mittlerweile deutlich zu klein. „Ich habe neun Fahrzeuge am Tag, die mit mindestens 18 Leuten ständig in Neumünster unterwegs sind. Drei davon müssen schon draußen stehen, weil kein Platz da ist“, sagt der Abteilungsleiter Rettungsdienst, Karl-Heinz Herrmann, der seit über 30 Jahren im Dienst ist. „Wir wollen Patienten helfen, aber die Auswirkungen des maroden Gesundheitssystems belasten uns sehr“, ergänzt er.

Dr. Alexander Adelhelm glaubt, die Hintergründe für die Entwicklung zu kennen: „Die Patienten erhoffen sich eine verkürzte Wartezeit und eine verbesserte Behandlung. Der Wunsch nach Krankenhausbehandlung auch bei Erkrankungen, die eigentlich in den hausärztlichen Bereich gehören, ist stark zunehmend und lässt sich trotz entsprechender Aufklärung über unsere eigentlichen Aufgaben in der Notaufnahme den Leuten nur schwer vermitteln Das ist nicht nur bei uns, sondern bundesweit so.“ Paradox: Ein Großteil der Beschwerden über die Notaufnahme kommt seinen Angaben zufolge aus der Gruppe der Patienten mit leichteren Erkrankungen.

Eine Überlastung im FEK sieht Adelhelm dennoch nicht. Allerdings müssten Patienten mit leichteren Beschwerden verstärkt länger warten, denn richtige Notfälle gingen vor. „Wir haben zur Verbesserung der medizinischen Behandlung und zur Verkürzung der Wartezeiten ein umfangreiches Bündel an Maßnahmen initiiert. Voraussichtlich 2020 wird dann eine neue, sehr hochwertig ausgerüstete Notaufnahme fertig gestellt“, sagt der ärztliche Leiter. Kurzfristig würden sieben neue Behandlungsplätze eingerichtet, davon vier mit Monitorüberwachung. Außerdem soll zusätzliches ärztliches Personal und Pflegepersonal in der Notaufnahme eingesetzt werden.

zur Startseite

von
erstellt am 13.Feb.2017 | 08:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen