Neumünster : Über den Sex bestimmt jeder selbst

„Echt mein Recht“zum Zuhören: Projektleiterin Ann-Kathrin Lorenzen (links) erklärt Susann Schwentke, Frauenbeauftragten-Trainerin bei der Lebenshilfe, die Funktion des Hörsticks, mit dem man sich die Texte an den Stellwänden auch vorlesen lassen kann.
„Echt mein Recht“zum Zuhören: Projektleiterin Ann-Kathrin Lorenzen (links) erklärt Susann Schwentke, Frauenbeauftragten-Trainerin bei der Lebenshilfe, die Funktion des Hörsticks, mit dem man sich die Texte an den Stellwänden auch vorlesen lassen kann.

„Echt mein Recht“: Wanderausstellung klärt lernbehinderte Menschen über ihre sexuellen Grundrechte auf.

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05. August 2018, 08:00 Uhr

Neumünster | „Alexander (35) möchte Sex haben mit Kirsten (8). Darf er das?“ – „Maria (26) arbeitet in einer Behindertenwerkstatt. Sie liebt ihren Kollegen Max (28) und möchte ihn heiraten. Darf sie das?“

Fragen, die wir klar beantworten können. Lernbehinderten fallen die richtigen Antworten dagegen nicht immer ganz so leicht, vielleicht auch, weil sie sich nicht trauen, mit jemanden „darüber“ zu sprechen.

Das Kieler Petze-Institut für Gewaltprävention will das jetzt ändern. Auf Einladung der Lebenshilfe Neumünster zeigt es seit gestern in der ehemaligen Ausstellungshalle des Autohauses Rost an der Rendsburger Straße (Ecke Am Neuen Kamp) ihre neue Ausstellung „Echt mein Recht“.

Auf fast 400 Quadratmetern Fläche haben fleißige Helfer von Lebenshilfe und Petze quasi über Nacht unzählige Stellwände, Info-Würfel und Klappkarten aufgebaut, Rechte- und Beratungskarten (zum Mitnehmen) und „Körperbücher“ über Mann und Frau (zum Durchblättern) ausgelegt.

In bunter Aufmachung und einfacher Sprache können sich hier lernbehinderte Menschen jeden Alters über alles schlau machen, was mit Liebe, Körpergefühl und Sexualität zu tun hat. An zahlreichen interaktiven Quiz-Stationen können sie sich spielerisch näher herantasten, wie Männer oder Frauen funktionieren oder wie das andere Geschlecht so tickt.

Wichtigste Lektion: Alles, was mit Sex zu tun hat, spielt sich auf freiwilliger Basis ab.

Das gerade auch lernbehinderten Menschen immer wieder klarzumachen, hat durchaus seinen traurigen Hintergrund: „Experten zufolge werden etwa zwölf Prozent der Bevölkerung Opfer sexualisierter Gewalt“, erklärt Petze-Geschäftsführerin Ursula Schele – aber: „Menschen mit Behinderung sind fast vier Mal so oft betroffen wie Nichtbehinderte.“ Es sei daher besonders wichtig, gerade diese Menschen über ihre sexuelle Selbstbestimmung aufzuklären. Die speziell auf lernbehinderte Menschen abgestimmte Ausstellung „Echt mein Recht“ leiste hier eine wichtigen Beitrag.

So sieht man das offenbar auch anderswo: Die erst im März zusammengestellte Wanderausstellung, die bei den „Special Olympics“ in Kiel ihre Premiere feierte, ist zwischenzeitlich bis an den Bodensee und zurück gewandert. In Neumünster ist „Echt mein Recht“ noch bis zum 28. August zu sehen. Während der Öffnungszeiten sind Mitarbeiter von Petze vor Ort. Anmeldungen sind bei der Lebenshilfe unter Tel. 87 03 17 / per Mail (s.kreutzmann@lebenshilfe-werk-nms.de) möglich.

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