Neumünster : Über 200 Anrufe wegen Schul-Kummers

Kinderschutzbund-Geschäftsführer Till Pfaff hofft, dass bald ein bis zwei Hauptamtliche die Ehrenamtlichen am Kinder- und Jugendtelefon unterstützen können.
Kinderschutzbund-Geschäftsführer Till Pfaff hofft, dass bald ein bis zwei Hauptamtliche die Ehrenamtlichen am Kinder- und Jugendtelefon unterstützen können.

Das Kinder- und Jugendtelefon des Kinderschutzbundes ist an Tagen der Zeugnisausgabe besonders gefragt. Ehrenamtliche Berater gesucht.

shz.de von
25. Januar 2018, 09:00 Uhr

Neumünster | Freitag gibt es Halbjahreszeugnisse. Was für die einen Schüler Grund zum Strahlen ist, bedeutet für andere große Sorgen. An solchen Tagen steht das Kinder- und Jugendtelefon des Kinderschutzbundes kaum still.

Seit 1993 gibt es die Nummer gegen Kummer. Die Probleme, mit denen die Schüler anrufen, sind aber weitestgehend gleich geblieben: Zu viel Druck in der Schule, familiäre Probleme oder Liebeskummer sind Dauerthemen. „Zugenommen hat das Cyber-Mobbing, das neben den persönlichen Angriffen in der Schule über das Netz gestreut wird“, erklärt Till Pfaff, Geschäftsführer des Kinderschutzbundes Neumünster.

Im vergangenen Jahr haben insgesamt 1500 Kinder und Jugendliche zum Hörer gegriffen und die Nummer mit ihrem Hilfegesuch kontaktiert. „Diese Zahl hat sich in den letzten Jahren auf diesem Niveau eingependelt“, so Pfaff. Die meisten Anrufer waren zwischen 12 und 16 Jahre alt, rund 60 Prozent waren männlich. Hauptsächliche Themen in diesen Gesprächen sind Sexualität (etwa ein Drittel), psychosoziale Probleme sowie Partnerschaft und Liebe (jeweils etwa ein Viertel). 14 Prozent der Telefonate drehen sich um das Thema Schule, Ausbildung und Beruf. Fast die Hälfte von diesen Gesprächen gehen dabei um Mobbing, ein Drittel um Probleme mit den Lehrern. Schlechte Noten machen 17 Prozent der Schul-Gespräche aus.

„Kinder und Jugendliche trauen sich aus unterschiedlichen Gründen nicht, zu Hause von ihren Schwierigkeiten mit der Schule zu berichten“, so Till Pfaff. Oftmals fehle die Zeit, damit die Eltern sich mit ihren Kindern in Ruhe hinsetzen und über die Schule sprechen und dann kommen die schlechten Noten für die Erziehungsberechtigten überraschend.

Eine Handvoll ehrenamtliche Berater sprechen über die Sorgen und Nöte. „Dabei hören sie vor allem zu und geben Tipps, auf die Lösung der Probleme kommen die Kinder dann oft schon von selbst“, so Pfaff.

Die Berater erhalten vorab eine qualifizierende Schulung , und werden dann im laufenden Betrieb immer wieder fortgebildet. Eine Sozialpädagogin steht den Beratern zur Seite. „Nicht jeder ist als Berater geeignet, denn die Themen sind zum Teil heftig.“ Es komme beispielsweise vor, dass Anrufer von Selbstmord sprechen. Außerdem sei es schwer, Ehrenamtliche zu finden, die kontinuierlich Telefonzeiten übernehmen. „Deshalb würden wir uns ein bis zwei hauptamtliche Mitarbeiter wünschen, die den Ehrenamtlern helfen“, sagt TillPfaff.

>Das Kinder- und Jugendtelefon ist kostenlos und anonym unter 116111 montags bis freitags von 14 bis 20 Uhr zu erreichen. Es ist bundesweit geschaltet.

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