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Holsteinischer Courier

14. Dezember 2017 | 02:07 Uhr

Heiligabend : Turmkonzert lockte die Massen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Etwa 5000 Menschen ließen sich Heiligabend auf dem Großflecken auf das Fest einstimmen. Massive Polizeipräsenz rund um das Konzert

shz.de von
erstellt am 27.Dez.2016 | 08:00 Uhr

Neumünster | Vor 19 Jahren ging Renate Prieß mit ihrem Mann Jürgen an Heiligabend über den Großflecken. „Da standen ein paar Menschen herum, und dann fingen Musiker plötzlich an zu spielen“, erinnerte sich die 74-Jährige. Das war das erste Turmkonzert, und seitdem besuchen sie es jedes Jahr. Am Sonnabend standen sie dann mit etwa 5000 weiteren Menschen auf dem Platz. 30 Musiker aus mehreren Orchestern spielten eine Stunde lang strahlende Weihnachtsklassiker. „Das ist in unserer Stadt das schönste Weihnachtsgeschenk“, lobte Renate Prieß, die ihre ganze Familie mitgebracht hatte.

Launig-locker „wärmten“ ab 11 Uhr die „Swinging Nikoläuse“ das Publikum mit locker-flockig gespielten Weihnachtsklassikern wie „Alle Jahre wieder“ und „White Christmas“ an. Michael Weiß erheiterte mit Gesang per Flüstertüte und Plaudereien. Dann richteten sich alle Blicke nach oben: Von den Türmen der Holstenstraße herab intonierten die Musiker unter dem Dirigat von Daniel Wollrath „Leise rieselt der Schnee“ (inklusive Kunstschnee), „Ihr Kinderlein kommet“, „O Tannenbaum“ und „Still, still“ – so wunderschön mit Einsätzen von beiden Türmen, dass es vielen Zuhörern trotz des nasskalten Wetters warm ums Herz wurde.

Alles war wie jedes Jahr. Fast alles, wäre da nicht die unübersehbare Polizeipräsenz gewesen. An der Holstenstraße und an anderen Standorten waren Polizisten postiert, teils mit Maschinenpistolen. Das registrierten auch viele Konzertgänger. „Wir haben keine Angst, lassen uns das nicht kaputt machen“, sagten Kirsten Bierstedt (54) aus der Innenstadt und ihre Nichte Clara Marcinkowski (17) aus Einfeld.

Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras widmete seine Ansprache mit Absicht nicht der Lage Neumünsters, sondern dem Anschlag in Berlin: „Er hat uns aus der Stimmung gerissen. Bei aller Freude ist heute auch Trauer dabei. Aber unsere freiheitliche Lebensweise zu ändern, das wäre falsch. Wir beweisen Stärke, wenn wir zusammenstehen.“ Und Tauras wandte sich an den Konzertorganisatoren Horst Schrinner: „Ich weiß, wie schwer ihm die Entscheidung gefallen ist, ob das Konzert stattfindet. Aber wenn ich in die Augen der Tausende von Menschen hier schaue, war es so genau richtig.“

Und so dachten anscheinend viele: Denn trotz eisiger Windböen schienen es mehr Besucher zu sein als im Vorjahr – vielleicht eine Demonstration, dass sich die Menschen angesichts des Terroranschlags nicht beirren lassen und an ihrem Kult-Ritual festhalten wollten. Schrinner dankte vielen Unterstützern und sagte gerührt: „Gott möge uns schützen und bewahren.“
Mit Christina Heeschen kam dann der Höhepunkt: Die 28-Jährige sang glockenrein und betörend das „Ave Maria“, danach ein schwingend-fröhliches „Merry-Christmas“-Duett mit Christian Funk (25); der Musicaldarsteller aus Neumünster war extra ab 6 Uhr mit dem Zug aus Köln angereist. Alle genossen das Konzert mit finalem Chorgesang – und dann gab es ein kleines Weihnachts-Wetterwunder: Erst Minuten nach dem letzten Ton fing es an, wie aus Kübeln zu regnen.

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