Rückblick : Turbulenzen nur abseits des grünen Rasens

Murat Ocak (li.) war nicht nur als Spieler gefragt, sondern übernahm während der abgelaufenen Saison auch die Aufgaben des sportlichen Leiters.
Murat Ocak (li.) war nicht nur als Spieler gefragt, sondern übernahm während der abgelaufenen Saison auch die Aufgaben des sportlichen Leiters.

Der MTSV Olympia Neumünster ist in der Fußball-Verbandsliga als Tabellenzehnter über die Ziellinie gelaufen. Abstiegssorgen plagten den Aufsteiger zu keinem Zeitpunkt. Stress gab es lediglich abseits des Platzes.

shz.de von
28. Juni 2014, 08:00 Uhr

Im zweiten Teil des Courier-Saisonrückblicks auf die Fußball-Verbandsliga Süd-West beschäftigen wir uns mit dem MTSV Olympia Neumünster. Der hat es sich am heimischen Forstweg zwischen den sportlich schwergewichtigen Nachbarn von der Geerdtsstraße, dem VfR Neumünster, und der Stettiner Straße, dem Polizei-SV Union, im Herrenfußball richtig gemütlich gemacht.

Das „Start-up-Unternehmen“ aus dem Norden der Schwalestadt, neugegründet im Jahr 2010 durch den „Self-Made-Manager“ Christian Schmidt, hat sich nach drei Meisterschaften in Folge auf Anhieb in der Verbandsliga etabliert. In der zweithöchsten Landesklasse liefen die „59er“ als Zehnter (24 Spiele/25 Punkte/46:61 Tore) über die Ziellinie. Und so spielten sich die größten Turbulenzen bei den Grün-Weiß-Roten abseits des grünen Rasens ab. Denn nach einer relativ unaufgeregten Hinrunde, in der man nie in Abstiegsgefahr geriet, schienen die Protagonisten plötzlich in Stimmungsschwankungen zu verfallen. Im Laufe der Winterpause kolportierten Schmidt und seine rechte Hand Hans-Christian Mergel, dass sie sich sukzessive bis zum Saisonende aus dem operativen Geschäft zurückziehen werden. Bis dahin nicht außergewöhnlich, auch wenn im Zuge dessen im Besonderen von Mergel betriebene Fusionsverhandlungen für die kommende Spielzeit 2014/2015 mit der Reserve des VfR Neumünster sowie alternativ mit dem SV Boostedt aus unterschiedlichen Gründen platzten. Doch Mergel war von jetzt auf gleich von der öffentlichen Bildfläche verschwunden.

Sein designierter und ad-hoc inthronisierter Nachfolger auf dem Managerstuhl, Angreifer und Führungsspieler Murat Ocak, setzte augenscheinlich sogleich an der Seite seines „Spezis“ Jörg Kollwitz mannschaftsinterne Duftmarken bei sportlichen Entscheidungen im Rahmen der Vorbereitungsphase – und diese waren nicht frei von Kritik. Zumindest nicht für Trainer Holger Mischke, der nach unüberwindbaren Differenzen mit Ocak und Kollwitz vierzehn Tage vor dem Rückrundenauftakt zurück trat. Mischke wird im Übrigen nach sechs „Sabbatmonaten“ ab dem 1. Juli beim TS Einfeld anheuern, der nach seinem vorzeitigen Verbandsliga-Aus in der Kreisliga einen Neuanfang plant. Ocak fungierte fortan als spielender sportlicher Leiter, wusste sich aber einer ordnenden Eminenz an seiner Seite. Und das war nicht Kollwitz, der aus nicht näher bekannten Gründen seine ohnehin nicht definierte Rolle im Funktionsteam niederlegen musste, sondern ein alter Bekannter. Ralf Hartmann kehrte zum wiederholten Mal außerplanmäßig als Interimscoach an den Forstweg zurück.

Schon in der Hinrunde vertrat „Hacko“, der bereits im Sommer 2013 als Übergangslösung für den geschassten Werner Bröcker den Kreisligatitel mit Olympia feiern durfte, den erkrankten Mischke und auch diesmal ließ er den Club nicht im Stich. Es scheint kein Geheimnis, dass auch Hartmann maßgeblich dafür Sorge trug, dass sich „Macher“ Schmidt über das Saisonende hinaus um die Belange des Traditionsvereins in der sportlichen Führungscrew kümmern wird. Schnell wurde nunmehr geregelt und öffentlich, dass der MTSV sportlich auch 2014/2015 auf eigenen Füßen stehen wird und nach den bis dahin konstatierten Verlusten von Marc Barck, Steven Granzow, Maximilian Kost und Tarik Alioua zum PSV, sowie Pascal Justin zum FC Torpedo 76, wurden rasch die ersten Neuzugänge präsentiert. Mit Gökhan Aktas (Türkspor Neumünster), Alija Hasanovic (TSV Bordesholm), Burak Gülbay, Tobias Bogun (beide VfR Neumünster II), Sita Lututala (TSV Gadeland) und Oliver Jurkic (SV Halstenbek-Rellingen) fanden sich bis dato sechs Akteure auf der Einkaufsliste, die es sicher nicht allesamt im Sonderangebot zu haben gab.

So war die Balance Anfang März wieder hergestellt und die Saison konnte ausgewogen zu Ende gespielt werden. Zwar verlor man zum Auftakt in die Frühjahrsserie beim späteren Meister FC Reher/Puls mit 1:3 sowie die Woche darauf mit 1:2 gegen den TSV Lägerdorf. Doch anschließend folgten fünf Spiele mit nur einer 0:1-Heimniederlage am 24. Spieltag gegen Vizemeister und SH-Liga-Aufsteiger SV Henstedt-Ulzburg und einer 2:2-Punkteteilung am 26. Spieltag gegen den VfR Horst. Die weiteren Partien inmitten spielfreier Wochenenden konnte Olympias Elf siegreich gestalten – auch weil Angreifer Barck sich als besonders effizient erwies und letztlich mit 22 Treffern erfolgreichster Torjäger der Verbandsliga wurde.


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