Türkei-Referendum : Türkische Gemeinde glaubt an ein Nein

Seit gestern können auch die Türken und Deutsch-Türken aus Neumünster ihre Stimme für oder gegen das Referendum in der Türkei abgeben.
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Seit gestern können auch die Türken und Deutsch-Türken aus Neumünster ihre Stimme für oder gegen das Referendum in der Türkei abgeben.

2168 Türken und Deutsch-Türken aus Neumünster können seit gestern im Konsulat in Hamburg wählen.

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28. März 2017, 07:00 Uhr

Neumünster | Die Wahllokale sind geöffnet und die ersten Stimmen abgegeben: Seit gestern können auch schleswig-holsteinische Türken ab 18 Jahren im türkischen Generalkonsulat in Hamburg ihre Stimme für oder gegen die umstrittene Verfassungsänderung in der Türkei abgeben, die Präsident Recep Tayyip Erdogan mehr Macht geben soll. 14 Tage ist das Wahllokal geöffnet. Von den 1746 Türken und 1566 Deutsch-Türken in Neumünster sind insgesamt 2168 wahlberechtigt. Wahllokale in Schleswig-Holstein gibt es nicht.

Tufan Kiroglu, Vorsitzender der türkischen Gemeinde, erwartet eine hohe Wahlbeteiligung, was sich gestern bereits abzeichnete. „Es geht ja nicht einfach darum, eine Partei zu wählen, sondern um eine Grundsatzentscheidung, ob die Gewaltenteilung in der Türkei abgeschafft wird oder nicht. In der Welt gibt es über 50 islamische Länder. Unter ihnen ist die Türkei das einzige Land, in dem Demokratie funktioniert. Das soll jetzt rückgängig gemacht werden“, sagt Kiroglu, der sich klar gegen mehr Macht von Erdogan ausspricht. Das würden seiner Ansicht nach auch die meisten Türken so sehen, wenngleich viele im Moment Angst hätten, ihre Meinung öffentlich zu sagen. „Der Druck, der auf die Bevölkerung aufgebaut wird, ist enorm“, sagt der Träger des Bundesverdienstkreuzes. 2012 erhielt er die Auszeichnung für sein Engagement bei der Integration von Migranten. Kiroglu geht trotz der aktuellen Situation davon aus, dass das Referendum scheitert: „Es wird am Ende nicht reichen.“

Während die Anhänger von Erdogan nach Courier-Informationen Busse organisieren wollen, um von Neumünster aus zur Abstimmung nach Hamburg zu fahren, ist so etwas nach Auskunft von Kiroglu für die Gegner des Referendums nicht geplant. Dass der politische Streit zwischen Deutschland und der Türkei durch die Äußerungen von Erdogan und die Wahlkampfauftritte von türkischen Politikern in der Bundesrepublik eskaliert ist, ärgert ihn. „Es ist schlimm, dass hier die Konflikte ausgetragen werden. Wir wollen keinen Wahlkampf in Deutschland“, so Kiroglu.

Bei der letzten Wahl im November 2015 errang die Regierungspartei AKP (zu deutsch: Partei für Gerechtigkeit und Aufschwung) im Generalkonsulat Hamburg knapp 55 Prozent der Stimmen. Es folgten die linksgerichtete „Demokratische Partei der Völker“ mit knapp 20 Prozent und die sozialdemokratische „Republikanische Volkspartei“ mit gut 17 Prozent. Weitere Parteien spielten eine untergeordnete Rolle. Das Referendum findet in der Türkei am 16. April statt.

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