kostenlose hilfe : Tschernobylkindern auf den Zahn gefühlt

Dr. Renata Patt nimmt die Zähne der kleinen Karyna Kompan (6) in Augenschein.
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Dr. Renata Patt nimmt die Zähne der kleinen Karyna Kompan (6) in Augenschein.

Zahnärzte aus Neumünster behandeln die krebskranken Kinder aus der Ukraine, ohne Honorar zu nehmen.

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23. Juli 2015, 06:00 Uhr

Neumünster | Bevor es gestern für die Tschernobylkinder auf Erkundungstour in den Tierpark ging, fühlte Dr. Renata Patt den jungen Patienten in der Fröbelschule erstmal auf den Zahn. „Wir ermitteln den Behandlungsbedarf“, sagte die Zahnärztin, die sich seit mehr als zehn Jahren ehrenamtlich auf diese Weise für die krebskranken Kinder aus der Ukraine engagiert.

Assistiert wurde der Dentistin von Regina Valkovec-Stoffregen, die ebenfalls perfekt Russisch spricht, ihrem Mann Felix Patt und der Organisatorin der Reha-Kur, Eberhardine Seelig. Renata Patts Fazit: „Die medizinische Versorgung vor Ort in der Ukraine ist wesentlich besser geworden. Die Zähne sehen gut aus.“ Das bedeutet, dass ihre Kollegen Bernhard Holtmann, Dr. Hartmut Götze, Dr. Hans-Christian Kersten, Dr. Ute Gresch und Dr. Kathrin Pudat (Praxis Landskron) heute und morgen wohl deutlich weniger zu tun bekommen als in der Vergangenheit. Auch sie nehmen kein Honorar und helfen unentgeltlich.

Möglich sind kleinere Behandlungen ohne Laboraufwand, etwa Zahnfüllungen oder das Ziehen von Milchzähnen. „Manchmal machen wir auch Prophylaxe, also medizinische Zahnreinigung“, sagte Renata Patt. Hilfreich ist der ehrenamtliche Einsatz allemal. „Es gibt in der Ukraine keine Krankenversicherung wie hier“, erläutert Eberhardine Seelig die schwierige Situation der 25 krebskranken Kinder und ihrer sieben Betreuer.

Das heißt, dass in der Ukraine nicht nur der Zahnarztbesuch, sondern auch die Krebsbehandlung selbst von den Familien der kleinen Patienten bezahlt werden muss. Um so froher ist Eberhardine Seelig über die große Hilfsbereitschaft in Neumünster. Das Friedrich-Ebert-Krankenhaus erledigt kostenlos die nötigen Blutanalysen. Aus der Krankenhaus-Apotheke stammen auch die gestifteten Medikamente. Und wenn Not am Mann ist, springen noch weitere niedergelassene Ärzte ein und helfen im Einzelfall. „Beim Aufbau und Herrichten der Fröbelschule hatten wir fast 200 Helfer – das ist sensationell“, sprach Eberhardine Seelig für die Unterstützung ein dickes Lob aus.

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