Demonstration : Trommeln und Pfeifen gegen Vorurteile

Auch der Regen konnte sie nicht schrecken: Rund 50 Menschen  unterschiedlicher Nationalität demonstrierten zum Tag gegen Rassismus auf dem Großflecken.
Auch der Regen konnte sie nicht schrecken: Rund 50 Menschen unterschiedlicher Nationalität demonstrierten zum Tag gegen Rassismus auf dem Großflecken.

Rund 50 Menschen demonstrierten zum Tag gegen Rassismus lautstark auf dem Großflecken

shz.de von
22. März 2014, 07:15 Uhr

Freitagmorgen, Punkt 11.55 Uhr, Großflecken in Höhe Kochlöffel: Rund 50 Menschen holen noch einmal tief Luft und stimmen dann mit ihren Trillerpfeifen ein ohrenbetäubendes Getriller an. Andere drehen Rasseln oder schlagen mit Kochlöffeln auf Topfdeckel. Die ausgerollten Transparente lassen keinen Zweifel, wem der Krach gilt: „Bunt statt Braun! Vereint gegen Fremdenhass!“, lauten die Parolen, die die Demonstranten den Passanten entgegenhalten. „Dem Rassismus keine Chance!“, steht auf einem umfunktionierten Bettlaken.

Unter dem Motto „Es ist 5 vor 12“ hatte die Türkische Gemeinde Neumünster am Internationalen Tag gegen Rassismus zu der Lärmaktion aufgerufen, um ein Zeichen gegen Ausgrenzung und Vorurteile gegenüber Menschen anderer Herkunft zu setzen. Unter anderem waren Gewerkschaften, das Bündnis gegen Rechts, der Runde Tisch für Toleranz und Demokratie und auch einige Ratsmitglieder dem Ruf gefolgt: „Ich hatte Zeit. Da ist es doch selbstverständlich, hier mitzumachen“, sagte etwa Ratsfrau Franka Dannheiser (SPD).

Henning Möbius, Vorsitzender des Rundes Tisches, unterstrich in seiner kurzen Ansprache die Notwendigkeit solcher Aktionen: Rassismus sei noch immer mitten in der Gesellschaft verankert, mahnte der ehemalige Schulleiter und Stadtteilvorsteher: „Wo wir ihn erkennen, müssen wir ihm aktiv entgegentreten“, forderte Möbius. Deutlich widersprach er der These, Deutschland sei mit der Aufnahme von Füchtlingen überfordert. Er komme gerade aus Jordanien zurück. Das Land mit sechs Millionen Einwohnern habe inzwischen fast eine Million Menschen aufgenommen, die aus dem Bürgerkrieg in Syrien geflohen seien. „Wir müssen noch mehr tun, damit die nach Deutschland kommenden Flüchtlinge freundlich aufgenommen werden“, forderte Möbius.

Wie unterschwellig Vorurteile gegen vermeintlich Fremde auch in Neumünster daherkommen können, erklärte Ibrahim Ortacer, Neumünsteraner mit türkischen Wurzeln, an einem Beispiel: Vor ein paar Tagen hat er mit einer Kinoaufsicht darüber diskutiert, ob seine drei kleinen Kinder einen Jugendfilm schon sehen dürfen oder nicht. „Wir haben hier in Deutschland Gesetze“, habe ihm die Aufsicht entgegengehalten. „Und meine drei Kinder sind made in Germany“, nahm er’s mit Humor. Ibrahim Ortacer ist selbst schon in Deutschland geboren.

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