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Polizeibericht : Trickdiebe kamen mit ganz neuer Masche

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Polizei und ein Opfer warnen vor den raffinierten Tätern.

von
erstellt am 29.Apr.2016 | 08:15 Uhr

Neumünster | Es war eine ganz raffinierte und gemeine Masche, mit der sich am Dienstagabend Unbekannte Zutritt zu einem Haus in Einfeld verschafften. Dreiste Betrüger nutzten einfach die zahlreichen Baustellen in dem Areal als glaubwürdige Ausrede, um sich das Vertrauen einer älteren Anwohnerin zu erschleichen – und machten letztendlich reiche Beute. Jetzt möchte das Opfer vor dem Trick der Männer warnen.

Es war am Dienstagabend gegen 19.15 Uhr, als ein freundlicher Herr in Arbeitskleidung an der Haustür der 78-Jährigen am Seekamp klingelte. „Er sagte, sein Kollege hätte mit dem Bagger ein Wasserrohr beschädigt. Deshalb müsse er bei mir im Haus den Wasserdruck prüfen“, erzählt die Seniorin. Weil es zurzeit in der Nähe viele Erdarbeiten gibt, schöpfte die Frau erst einmal keinen Verdacht, sondern bat den Mann herein. Im Wirtschaftsraum drehte der falsche Bauarbeiter den Wasserhahn auf. Dann wollte er in den Keller zur Wasseruhr.

Irgendwann verließ der Unbekannte kurz das Haus, um angeblich Rücksprache mit seinem Kollegen an der Baustelle zu halten. Die Seniorin, die nicht mehr so gut zu Fuß ist, wartete im Keller. Wahrscheinlich ließ der Mann in diesem Moment heimlich seinen Komplizen ins Haus, vermutet das Opfer mittlerweile.

Wenig später kehrte der vermeintliche Handwerker zurück in den Keller, wo er sich munter weiter mit der Rentnerin unterhielt. Das Wasser rauschte, man hörte auf Geräusche in den Leitungen. Schließlich verlangte der Mann ganz dreist 700 Euro – nur dann könne er die Wasseruhr austauschen. Doch darauf ließ sich die Einfelderin nicht ein. „Das dürfen nur die Stadtwerke“, wies sie den Mann zurecht. Der Unbekannte verließ daraufhin noch einmal kurz das Haus, angeblich, um mit seinem Chef Rücksprache zu halten. Ließ er jetzt seinen Komplizen wieder hinaus? Sprachen sich die Täter ab?

Sicher ist: Gegen 19.45 Uhr verabschiedete sich der Mann. Als die Seniorin kurz darauf in ihre Küche kam, stand dort ein Karton mit leeren Schmuckschachteln, den sie normalerweise im Schlafzimmerschrank aufbewahrt. „Das kam mir komisch vor“, berichtet die Frau. Als sie ins Schlafzimmer kam, brannte dort Licht – und ihre Schmuckschale war leer. Es fehlten mehrere Ringe, unter anderem der Verlobungsring ihres verstorbenen Mannes. Und aus dem Nachtschränkchen hatten die Täter eine alte goldene Armbanduhr mit einem seltenen dunklen Zifferblatt mitgenommen, es war ein Erbstück aus der Familie.

Die Rentnerin rief sofort die Polizei. Doch die Täter waren längst über alle Berge. Wie hoch der Schaden ist, steht noch nicht fest. Sicher ist: Der ideelle Wert ist für die Familie nicht zu ersetzen.

Polizeisprecher Rainer Wetzel stuft den Fall als besonders dreisten Trickdiebstahl ein. „Das ist schon eine ganz üble Masche, den aktuellen Bezug zu den Baustellen zu suchen. Da fällt man natürlich eher drauf rein“, erklärt er. Die Polizei rät in diesem Zusammenhang, niemanden in die Wohnung zu lassen, den man nicht selbst bestellt hat. Im Zweifel sollte man sich die Nummer der Firma geben lassen, um dort anzurufen oder die Polizei unter Tel. 110 verständigen – insbesondere, wenn angebliche Handwerker zu einer derart unüblichen Zeit klingeln.

Bisher ist es die einzige Tat dieser Art, die angezeigt wurde. Sollte es weitere Opfer geben, bitten die Ermittler sie, sich unter Tel. 9450 zu melden. Gleiches gilt für Zeugen. Der Haupttäter ist 1,65 bis 1,70 Meter groß, dunkelhaarig und sprach mit Akzent. Er trug eine schwarze Schirmmütze, eine schwarz-grüne Latzhose mit orangenen Trägern, einen grauen Pullover, schwarze Handschuhe und blaue Turnschuhe.

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