Juniorwahl : Traumwerte bei der Wahlbeteiligung

Tablet statt Bleistift: Angelika Schwarz hat sich in der Wahlkabine mit ihrem persönlichen Code eingeloggt, um ihre Wahl abzugeben.
Tablet statt Bleistift: Angelika Schwarz hat sich in der Wahlkabine mit ihrem persönlichen Code eingeloggt, um ihre Wahl abzugeben.

Fast 100 Prozent aller Neunt- und Zehntklässler der Freiherr-vom-Stein-Schule gingen gestern an die Urne – allerdings nur testweise.

shz.de von
22. September 2017, 08:30 Uhr

Neumünster | Von der allgemein kritisierten Politikverdrossenheit unter Jugendlichen kann keine Rede sein. Zumindest nicht an der Freiherr-vom-Stein-Schule. Dort war nämlich bereits gestern Wahltag – und alle gingen hin. „Unsere Wahlbeteiligung liegt bei fast 100 Prozent“, freute sich Alexander Rolfs. Das große Interesse führte der Wirtschaft/Politik-Lehrer auf die aktive Teilhabe der Schüler bei der Vorbereitung der Juniorwahl zurück.

Vor zwei Wochen trafen sich Mitglieder des Mittelstufen-Rates, ernannten Wahlvorsteher und -helfer sowie Pressesprecher aus den eigenen Reihen und erstellten Plakate für die sechs Parteien, die laut Umfragewerten Chancen auf den Einzug in den Bundestag haben. „Bereits hier waren die Jugendlichen gefordert, sich intensiv mit den Wahlprogrammen der Parteien auseinanderzusetzen“, erklärte Projektleiter Rolfs.

Die Plakate sind ihrem Wesen nach aus Papier, doch jedes verzeichnet einen sogenannten QR-Code, über den die Schüler das Wahlprogramm der jeweiligen Partei auf ihr Smartphone laden können. „Diese Art der Informationsbeschaffung entspricht der Lebenswelt Jugendlicher weit mehr als ein Packen Papier“, sagte der Lehrer. Außerdem habe sich die Freiherr-vom-Stein-Schule als „digitale Schule“ profiliert, die Schüler seien es also gewohnt, mit neuen Medien umzugehen.

Seine Einschätzung bestätigte sich am gestrigen Wahltag. Sämtliche 220 Wahlberechtigten, sprich alle Schüler der Klassen 9 und 10, waren per Wahlbenachrichtigung aufgerufen, ihre politische Stimme abzugeben. Und auch das nicht mit einem Bleistiftkreuz auf einem unübersichtlichen Zettel im DIN A4-Format, sondern digital. Klassenweise machten sich die Jungwähler zwischen 8.30 Uhr und 12.30 Uhr auf den Weg Richtung „Wahllokal“. Von den Wahlhelfern erhielten sie nacheinander ihren persönlichen Code, mit dem sie sich in der Wahlkabine einloggen konnten, um ihre Stimme abzugeben. „Intensive Diskussionen im Unterricht und auf dem Schulhof haben mich bewogen, meine ursprüngliche Wahl zu ändern“, verriet Pressesprecherin Angelika Schwarz (17). Die Einbindung digitaler Medien habe dazu beigetragen, sich mit Politik zu beschäftigen, sagte die Zehntklässlerin. Nun sei die auf den Ausgang gespannt: „Während der Wahlparty am Montag werden wir die Wahlergebnisse unserer Juniorwahl mit denen der Bundestagswahl vergleichen.“

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