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Zum Tode von Dr. Klaus Murmann : Trauer um einen großen Unternehmer

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Wegbegleiter würdigen die Verdienste von Dr. Klaus Murmann. Die vielen Fachkräfte gaben den Ausschlag für die Firmengründung in Neumünster

Neumünster | Eine der größten Unternehmerpersönlichkeiten nach dem Zweiten Weltkrieg in Neumünster ist gegangen: Der frühere Arbeitgeberpräsident Dr. Klaus Murmann ist (wie berichtet) am Montag im Alter von 82 Jahren in Kiel gestorben. Er hat in Neumünsters Wirtschaft bleibende Spuren hinterlassen.

Seit 1959 war der promovierte Jurist im elterlichen Betrieb J. P. Sauer & Sohn in Kiel tätig gewesen. 1969 übernahm er von seinem Vater eine Lizenz zur Fertigung hydrostatischer Getriebe und begann in Neumünster die Sauer Getriebe KG aufzubauen. 1970/71 wurde das Werk am Krokamp gebaut – Sauer war damit der Pionierbetrieb im Industriegebiet Süd.

Dass die Entscheidung nicht für Kiel, sondern für den Standort Neumünster fiel, hatte zwei Gründe. Wegen der schweren Produkte war eine gute Verkehrsanbindung an den Hamburger Hafen wichtig. Und in Neumünster gab es nach dem Niedergang der Leder- und Tuchindustrie Fachkräfte, die auf Arbeit warteten.

1982 wandelte Murmann die Firma in eine Aktiengesellschaft um, und machte sie zum Marktführer für hydrostatische Getriebe in Europa. Bis heute ist das Unternehmen einer der größten Arbeitgeber in Neumünster.

In seiner Zeit als Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (1986 bis 1996) stand seine Firma am Krokamp quasi in jedem Metall-Arbeitskampf symbolisch im Visier der Gewerkschaften. Murmann fuhr keinen Schmusekurs mit Gewerkschaftern, aber er respektierte sie. Selbst als die IG Metall Neumünster ihm in einer Streikphase Anfang der 1990er-Jahre buchstäblich eine Wagenladung Mist vor das Firmentor am Krokamp kippte, ertrug er das mit Gelassenheit.

Murmann hatte eine große gesellschaftliche Kompetenz und war ein mutiger Unternehmer. Als er in Neumünster anfing, musste er sich stark verschulden, aber das schreckte ihn nicht. Ein weiterer mutiger Schritt war die Übernahme der amerikanischen Firma Sundstrand: Die hatte in den 1970er-Jahren keinen guten Ruf, und viele Fachleute warnten Murmann davor. Er aber sah das Potenzial, kaufte 1989 das Unternehmen und integrierte es erfolgreich in seine Firma.

Im Jahr 2000, mit 68 Jahren, fusionierte er Sauer-Sundstrand von Neumünster aus voller Weitblick mit dem dänischen Konkurrenten Danfoss. Das Wachstum ging weiter, und bis 2008 stand Murmann an der Spitze von Sauer-Danfoss. Nach und nach lösten er und seine Kinder sich von dem Unternehmen und gaben ihre Anteile nach und nach ab.

Murmann war durch und durch Kieler, aber auch in Neumünster engagierte er sich. Von 1975 an war er für einige Jahre Vorsitzender des Unternehmerverbandes Rendsburg/Neumünster. In Neumünster wurde er Mitglied des Rotary-Clubs, der ihn später zum Ehrenmitglied ernannte. Er hing zeitlebens an diesem Club und kam gern und regelmäßig, um Vorträge zu halten. Im Restaurant Kamin saß er gern mit alten Weggefährten. Als sein Sohn Dr. Sven Murmann 2012 den Wachholtz-Verlag übernahm, kam er zur Feierstunde in den Gerisch-Park und freute sich, alte Freunde zu treffen.

Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras würdigte Murmann gestern mit Dankbarkeit. „Neumünster hat eine bedeutende Persönlichkeit verloren. Dr. Klaus Murmann hat sein Unternehmen von hier aus zu Weltruf gebracht. Bis heute fahren in aller Welt Bau- und Landmaschinen mit Getrieben aus Neumünster. Aus Sauer-Danfoss heraus sind auch eine Reihe von Unternehmen ausgegründet worden, die bis heute erfolgreich tätig sind. Zufällig habe ich die Firma vor ein paar Tagen besucht und dabei in Klaus Murmanns altem Büro gesessen. Das war beeindruckend. Neumünster hat ihm viel zu verdanken.“

Danfoss-Personalmanagerin Andrea Wittmann ist eine langjährige Wegbegleiterin Murmanns und nannte den Firmengründer einen „Visionär. Er hat sein Unternehmen in Neumünster-Wittorf auf die damals noch grünen Wiesen geplant. Seiner Weitsicht und seinem unternehmerischen Mut verdanken wir heute nicht nur die 750 Arbeitsplätze bei Danfoss Power Solutions, sondern noch zahlreiche weitere Firmen, die uns als Dienstleister unterstützen. Sein Name wird immer mit diesem Standort verbunden bleiben. Ich habe ihn als Mensch und Vorgesetzten sehr geschätzt. Er war warmherzig und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf eine sehr persönliche Weise zugewandt. Bei allen unternehmerischen Entscheidungen spielte die Sicherung von Arbeitsplätzen eine wichtige Rolle. Das ist ein Vermächtnis, das unseren Standort bis heute prägt.“

 

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erstellt am 15.Okt.2014 | 05:30 Uhr

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