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Orkantief in Ehndorf : Trampolin flog meterhoch im Garten

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Feuerwehren waren im Dauereinsatz, um Bäume zu entfernen.

Entwurzelte und abgeknickte Bäume in den Wäldern, auf den Straßen und auf den Dächern gab es auch im Umland von Neumünster zuhauf. Die Oberste Forstbehörde des Landes hat gestern sogar angeordnet, dass die Wälder im Kreis Rendsburg–Eckernförde nicht betreten werden dürfen. Es besteht Lebensgefahr.

„Wir sind dabei, uns ein umfassendes Bild von den Auswirkungen des Orkans zu machen“, sagte Tim Scherer, Direktor der Landesforsten. In allen betroffenen Förstereien wurde damit begonnen, die Wege frei zu räumen, die Schäden aufzunehmen und zu analysieren.

Rund fünf Stunden hielt das Orkantief beispielsweise die Wasbeker Wehr am Montag in Atem. „Wir sind um 15 Uhr mit drei Einsatzfahrzeugen und 18 Kameraden ausgerückt, um mehr als 15 umgestürzte Bäume von den Straßen zu holen. Menschen wurden nicht verletzt“, berichtete der Gemeindewehrführer Heinrich Kühl. Die zentrale Leitstelle für die Feuerwehr in Kiel war weder über Funk noch per Telefon zu erreichen. Seine Order in Absprache mit der Berufsfeuerwehr in Neumünster an die eingesetzten Kräfte lautete: „Wir fahren alle Straßen ab und tun, was wir tun müssen.“ An der Weststraße knickten gleich mehrere Birken um

Auch in der Rieselung, dem Waldstück zwischen Wasbek und Ehndorf, lagen die umgestürzten Bäume gestern gleich reihenweise auf den Wegen. In den Bereichen, die in den vergangenen Jahren stark ausgelichtet wurden, konnte der Wind mit voller Kraft zuschlagen: Hier stürzten die Bäume gleich im Dutzend um. Dabei ging auch der eine oder andere Wildschutzzaun zu Bruch, andere wurden gleich ganz auf die Seite geweht.

Als das Orkantief über Ehndorf fegte, machte Werner Dohse einen Kontrollgang rund um sein Haus. Er traute seinen Augen nicht, als ihm dabei das stabile Trampolin seiner Enkelkinder mit einem Durchmesser von drei Metern entgegen geflogen kam und wenige Meter vor ihm krachend auf dem Boden landete. „Mindestens in einer Höhe von etwa 1,50 Metern kam es auf mich zu. Dabei wiegt das Ding mehr als 100 Kilogramm. Einfach nicht zu glauben!“, sagte Dohse. Der Orkan mit Geschwindigkeiten von bis zu 190 Stundenkilometern hatte das Trampolin wie ein kleines Spielzeug über mehr als zehn Meter bewegt. Dabei hatte Dohse viel Glück: Wäre das Trampolin zwei Meter weiter geflogen, wäre die Terrassentür unweigerlich in Mitleidenschaft gezogen worden. „So beträgt der Sachschaden ,nur’ 200 Euro“, tröstete sich Werner Dohse.

Jörg Nero, Chef der Amtsfeuerwehr Boostedt-Rickling, verzeichnete zwei Einsätze in Groß Kummerfeld, einen in Willingrade und einen in Kleinkummerfeld – allesamt Baumschäden. Einer Frau war ein Baum so dicht vor das Auto gestürzt, dass sie noch drüber gefahren ist. Der Wagen ist kaputt, doch die Fahrerin blieb zum Glück unverletzt.

Zwölf Einsatze verzeichnete Ricklings Wehrführer Ulf-Erik Klinge. Sechs Stunden verbrachte die Wehr damit, die Baustelle in der Dorfstraße zu sichern.

„Der Bauhof macht mit seinen Baumpflegearbeiten gute Arbeit, aber dieser Sturm war wohl einen Tick zuviel“, sagte Boostedts Wehrführer Thomas Storm. 14 Einsätze gab es in Boostedt.

In Wahlstedt bekam eine schwangere Frau ein fliegendes Werbeschild an den Kopf. An der Segeberger Straße zerstörte ein entwurzelter Baum einen Schuppen. Ein daneben stehender Wohnwagen bekam einen Riss ab. In Trappenkamp, in der Kurlandstraße, fiel ein Baum auf ein Haus und richtete erhebliche Schäden an. Am Ende der Autobahn 21 in Höhe Wankendorf verunglückte ein Mann: Bei den Aufräumarbeiten traf ihn ein Trümmerteil am Kopf und verletzte ihn schwer. Zunächst bestand sogar Lebensgefahr, er kam sofort in ein Krankenhaus.

 

 

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erstellt am 30.Okt.2013 | 06:00 Uhr

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