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Holsteinischer Courier

26. September 2017 | 20:30 Uhr

Spray-Kunst : Trafostation wird zur Weberstube

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Kunstaktion der SH Netz AG erreicht Faldera . In allen Stadtteilen soll es bunter werden

von
erstellt am 12.Mai.2016 | 09:00 Uhr

Neumünster | „So jetzt müssen wir aber wieder ran!“ Benjamin Braune (33), Mediendesigner und Spraykünstler, muss mitunter auch schon mal etwas deutlicher werden, wenn ihn der Job zurück an die Spraydose ruft. Immer wieder wird er von Passanten angesprochen: „Was machen Sie da eigentlich? – Was soll das werden?“ Der Künstler erklärt dann gerne (wenn’s nicht zu lange dauert), zumal die Reaktionen meist wohlwollend sind: „Die meisten, die vorbeikommen, finden einfach gut, was wir machen.“

Das war jetzt auch an der Weberstraße in Faldera nicht anders. „Also, ich finde das schön, sieht gut aus“, meinte etwa Agneta Goeckel , nachdem sie sich den Hintergrund der Aktion erklären lassen hatte: Bereits seit drei Jahren lässt die Schleswig-Holstein Netz AG in der Stadt ihre zumeist schlichten Ortsnetzstationen im Stadtgebiet – früher auch einfach Trafohäuschen genannt – nach und nach von Profihand optisch aufpeppen. Präsentierten sich die unscheinbaren Häuschen bislang bestenfalls im unauffälligen Lindgrün sollen sie jetzt auch ein klein wenig zur Ortsverschönerung beitragen. „Wir haben uns vorgenommen, in diesem Jahr in allen neun Stadtteilen mindestens eine Station mit frischen Motiven zu versehen“, erklärte gestern Andrea Hansen, die bei der Netz AG die Kunstaktion betreut.

Das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen, wie unlängst erst die Wittorfer feststellen konnten: In der Burgstraße hatten die Spray-Profis der Potsdamer Grafikwerkstatt „Artefx“ den vor sechs Jahren abgerissenen Hamanns Gasthof als Wandgemälde wieder auferstehen lassen, sehr zur Freude vieler Wittorfer (der Courier berichtete). Auch die Rehe in der Gartenstadt – ein Vorschlag der Grundschüler – und der Einfelder See an der Dorfstraße kommen bei den Anliegern gut an.

Seit Dienstag ist nun Faldera dran. Benjamin Braune und sein Spraykollege Lino Meyer (24) verwandeln das kleine Trafohäuschen an der Ecke Ehndorfer Straße /Weberstraße mit bunten Farben in ein kleines Weberhaus mit Fenstern, Webmotiven und Spinnrad vor der Haustür. Die Schmuckseite zeigt zur Ehndorfer Straße: Auf der gut drei mal drei Meter großen Wand haben die Mediendesigner die Umrisse eines arbeitenden Webers an einem Webstuhl skizziert, die nun farblich nuanciert mit der Dose ausgefüllt werden – frei nach einem Gemälde von Vincent van Gogh. Noch in dieser Woche soll das Werk fertig werden.

Auch in der Böcklersiedlung (Freesenburg 2 + 4), Brachenfeld-Ruthenberg (Schadowstraße 53), Tungendorf (Kieler Straße 393) und erneut in Einfeld (Strandallee 2) sollen die Künstler von Artefx noch in diesem Jahr aktiv werden. Die jeweiligen Motive werden dabei mit den Stadtteilbeiräten abgestimmt.

Agneta Goeckel aus der Weberstraße macht sich unterdessen Sorgen, dass das Kunstwerk schon in absehbarer Zeit beschmiert sein könnte. Die Sprayer selbst sind da etwas optimistischer. Sie verweisen auf den Ehrenkodex der Sprayer, wonach Werke des anderen nicht einfach übersprüht werden. Die bisherigen Erfahrungen in der Stadt geben ihnen Recht.

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