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Holsteinischer Courier

21. Juli 2017 | 20:32 Uhr

Wochenmarkt : Totentanz auf dem Wochenmarkt

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Deutliche Einbußen auf dem Kleinflecken / Händler: Kunden sind den Großflecken gewöhnt / Das Wetter verschlimmerte gestern die Situation

Neumünster | Der Dauerregen verschlimmerte gestern die Situation, aber der Trend ist wohl schon länger eindeutig: Nur wenige Käufer schlenderten auf dem Kleinflecken zwischen den Ständen auf dem Wochenmarkt herum. Vier Monate nach dem Umzug vom Großflecken hatten die Marktbeschicker in einem Brandbrief an die Verwaltung Alarm geschlagen (der Courier berichtete). Darum gab es gestern ein internes Treffen zwischen Händlern und Stadt, bei dem sie Meinungen austauschten und der Kleinflecken begangen wurde. „Heute lösen wir das Problem sowieso nicht. Das Thema wird uns in den nächsten Wochen beschäftigen“, sagte Stadtbaurat Thorsten Kubiak vor Ort, wollte sich aber nicht zu konkreten Schritten äußern.

Die Stimmung bei den Händlern war trübe, wie der Marktbeschicker Georgios Adam mit seinen griechischen Leckereien feststellte. Er und seine Verkäuferinnen Lidia Röder-Germann und Christine Arslan hatten nicht viel zu tun. „Es fehlt die Laufkundschaft. Ältere Leute beschweren sich über die zu weiten Wege von den Bushaltestellen vom Großflecken hierher“, sagte Adam gestern zum Courier und bezifferte seine Umsatzeinbußen auf etwa 25 bis 30 Prozent. Seine Forderung: „Ein Umzug auf den Großflecken muss kommen – und zwar möglichst bald.“

Stammkundin Renate Orzech aus Husberg kam trotz des Dauerregens zum Stand von Claudia Blohms Obsthof und kaufte Erdbeeren: „Aber mir gefällt der Großflecken trotzdem besser.“ Stammkundin Gisela Christians aus Faldera sah das differenziert. „So viel weiter als vom Großflecken ist es doch gar nicht. Ich komme normalerweise mit dem Fahrrad, nur heute mit dem Auto wegen des Wetters. Allerdings haben viele Anlieger am Großflecken eine knappe Mittagspause und nicht so viel Zeit, um zum Kleinflecken zu laufen. Und wenn man berücksichtigt, dass zu wenig Kundschaft Existenzen kostet, kann ich die Aufregung der Händler verstehen.“

Claudia Blohm schätzt ihre Einbußen am Kleinflecken auf etwa 30 Prozent und analysierte: „Morgens und mittags fehlt die Laufkundschaft. Wir sind dienstags und freitags auf dem Kleinflecken. Da brauche ich eine Kraft weniger, aber sonnabends auf dem Großflecken wieder eine mehr. Der Großflecken ist für die Erreichbarkeit praktischer, und außerdem hat sich der Kunde an das Einkaufserlebnis dort und die Infrastruktur gewöhnt.“

Trotz Regens kauften gestern Doris Charf (85) und Hans Grunow (84) aus Aukrug-Böken Obst, Gemüse und Quark: „Wir kommen auch auf den Kleinflecken, und wir kommen wegen der frischen Ware. Die Händler stehen hier den ganzen Tag, die müssen doch was verdienen. Aber der Großflecken wäre schöner.“

Stadtbaurat Thorsten Kubiak hielt sich bedeckt: „Wir wissen, dass die Marktbeschicker unglücklich sind. In der Diskussion aus dem Hauptausschuss sind auch mögliche Änderungen im Sortiment wie mehr Textiles oder Bioware. Aber ist das leistbar, und wie geht der Kunde damit um? Kann man überhaupt Gestaltungsrichtlinien erlassen?“ Es werde mehrere Anschlussgespräche mit den Händlern und der Verwaltung geben. Bei der Begehung gestern wurde nichts Konkretes vereinbart. Über eines gebe es allerdings keine zwei Meinungen, sagte Kubiak: „Für eine Stadt dieser Größe ist der Wochenmarkt ein Aushängeschild.“

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erstellt am 01.Jul.2017 | 09:00 Uhr

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