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Markantes Konzert : Toller nordisch-mystischer Jazz

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Das Emil-Brandqvist-Trio nahm in der Stadtbücherei die Zuhörer mit auf eine exquisite meditative Klangreise.

Neumünster | Mit ihrem jüngsten Album „Falling Chrystals“ platzierte sich das Emil-Brandqvist-Trio gerade auf Anhieb auf Platz 7 der Jazz-Charts, und nur vier Jahre brauchten die drei skandinavischen Musiker, um zur europäischen Jazz-Spitze zu gehören. Am Sonnabend durften mehr als 100 Gäste in der ausverkauften Musikbücherei an der Wasbeker Straße Emil Brandqvist (Drums), Tuomas Turunen (Piano) und Max Thornberg (Bass) erleben.

Vorab: Mit ihren besonderen Klangreisen hinterließen sie ein andächtiges und zugleich euphorisches Publikum, das die einzelnen Songs lautstark beklatschte. Als Brandqvist bei „Du haller min hand“ musikalisch von einem Spaziergang mit seiner Tochter erzählte, war das so was von filigran und einfühlsam, dass man glaubte, die Fans hielten den Atem an. Dann brach der Beifall los.

Bei „Through the Forest“ ließen Bass und Piano im Dialog klassisch den Wald und Wasser rauschen, natürlich etwas nordisch mystisch. Einfach exzellent.

Das Konzert begann ganz minimalistisch mit gezupften Pianoseiten und getupften einzelnen Anschlägen von Turunen, in die sich Brandqvist am Schlagzeug mit seinem bevorzugten Handwerkszeug, den Besen, leise einmischte und Thornberg am Bass nur einzelne Töne setzte. Diese lyrische, ab und an mystische Stimmung ließ aufhorchen. So hat noch keine Band in der Bücherei begonnen – noch dazu, wenn der Leader ein Drummer ist. Brandqvist hielt seine akzentuierte und zurückhaltende Spielweise am Schlagzeug durch und präsentierte sich als gekonnter Gegenentwurf zu herkömmlichen Schlagzeugern.

Auch Turunen zeigte sein Können von perlend verspielt bis markante Akzente setzend, um so am Piano die Dominanz zu übernehmen. Dazu spielte ein Bassist, der sich, wenn auch im Hintergrund, zu behaupten wusste. Nach einfühlsamen Passagen boten sie Rhythmus- und Tempiwechsel, um zu zeigen– „Wir können auch anders!“. Immer wieder gab es lautstarken, rhythmischen Applaus.

Besucherin Lotta Wulk aus Potsdam, in Neumünster zu Gast, sprach aus, was wohl viele fühlten: „Ganz wunderbar, unglaublich diese Kombinationen, auf den Punkt die Einsätze, fesselnd die Varianten, da war Spannung drin.“ Insgesamt war es ein Konzert, das neue Hörgewohnheiten verlangte, aber auch eingängig vertraut schien mit seiner raffiniert gewürzten Lyrik des Nordens. Dieser teils magische Jazz bleibt in Erinnerung. Jazzclub-Chef Ralf Johannsen, der das Trio schon vor zwei Jahren engagierte, hatte wieder einmal den richtigen Riecher.

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