Prozess : Tod des Hundes Hannibal: Tränen im Gerichtssaal

Hannibal wurde beim Spaziergang am Einfelder See durch einen Stich in den Rücken  tödlich verletzt.
Hannibal wurde beim Spaziergang am Einfelder See durch einen Stich in den Rücken tödlich verletzt.

Prozess wegen der Messerattacke am Einfelder See. Zehn Zeugen und eine Rechtsmedizinerin wurden gehört.

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12. März 2014, 05:00 Uhr

Neumünster | Das Medien- und Zuschauerinteresse war groß, als sich gestern ein Neumünsteraner (52) vor dem Amtsgericht für den gewaltsamen Tod eines Hundes am Einfelder See verantworten musste. Der Weimaraner-Rüde Hannibal war am 14. Dezember 2012 beim Gassigehen durch einen Messerstich in den Rücken verletzt worden und später verblutet (der Courier berichtete).

Zehn Zeugen und eine Rechtsmedizinerin wurden vernommen, bevor die Richterin nach fünf Stunden ihr Urteil fällte: „Wegen der Tötung eines Wirbeltiers ohne vernünftigen Grund“ muss der Mann 5400 Euro Geldstrafe zahlen. Der Angeklagte hatte den Vorwurf bis zum Schluss bestritten.

Unter Tränen sagte die Mutter (73) des Hundehalters gestern aus, was an dem Wintertag kurz vor Weihnachten gegen 15 Uhr in der Nähe der Uferstraße auf dem Weg Richtung Margarethenschanze geschah: „Ich war für zwei Tage bei meinem Sohn, der auf Geschäftsreise war, und habe Hannibal gehütet“, erzählte die Frau. An dem Nachmittag lag Schnee. Die Frau fürchtete die Glätte und leinte deshalb das 44 Kilo schwere Tier nicht an. „Er tut aber auch niemandem was. Er hatte wie immer seinen Ball in der Schnauze“, schilderte sie den Spaziergang. Plötzlich sei ein Mann mit einem Terrier an der Leine gekommen und habe „aggressiv gerufen: ‚Nehmen Sie den Hund an die Leine!‘“ Die Tiere hätten sich beschnuppert. „Als ich dort ankam, sah ich, wie der Mann ein blutiges Messer aus Hannibals Leib zog. Dann ging er einfach weg“, so die Zeugin. Unmittelbar nach dem Vorfall war der Angeklagte geradewegs zur Polizei gefahren, um sich über einen nicht angeleinten Hund zu beschweren.

Hannibals Herrchen (40) schilderte seinen Hund gestern ebenso wie mehrere Zeugen zwar als wild und verspielt. Aber durch intensive Arbeit in der Hundeschule sei er gut erzogen und zu dirigieren gewesen. „Für uns brach eine Welt zusammen“, sagte er über den Tod seines Tieres.

Zwischen den beiden Hundehaltern hatte es bereits vor dem verhängnisvollen Zusammentreffen mehrfach Meinungsverschiedenheiten gegeben. Das berichteten die Kontrahenten übereinstimmend. Auslöser war die oft fehlende Leine von Hannibal. Der Angeklagte und eine Bekannte berichteten außerdem von Aggressionen des großen Hundes und einer Biss-Attacke gegen den Terrier. Diese Schilderung wertete die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer jedoch als Schutzbehauptung, denn der Mann, der als Jäger zum Tatzeitpunkt auch Waffen besaß, hatte in seiner Vernehmung bei der Polizei keinerlei Probleme mit dem Weimaraner erwähnt. Die Anklagevertreterin sprach stattdessen von Selbstjustiz wegen der fehlenden Leine und forderte zehn Monate Haft auf Bewährung sowie eine Zahlung über 3000 Euro an den Tierschutzverein. Der Verteidiger plädierte auf Freispruch. Er brachte unter anderem einen unbekannten Dritten ins Gespräch, möglicherweise einen Jogger. Der könnte unbemerkt auf Hannibal eingestochen haben. „Weimaraner gehören zu meinen Lieblingshunden. Ich habe ihm nichts getan“, erklärte der Angeklagte. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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