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Holsteinischer Courier

14. Dezember 2017 | 09:17 Uhr

Bordesholm : Thilo Seibert sorgte für Stimmung

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

100 Besucher amüsierten sich im Savoy. Der Auftritt des Kabarettisten ließ aber teils Feinfühligkeit vermissen.

Bordesholm | Am Anfang eines neuen Jahres steht auch immer der Rückblick auf das alte, und Kabarettisten können daraus bekanntlich ihren Lebensunterhalt bestreiten. So auch Thilo Seibel, der mit einem brachialen satirischen Rundumschlag die 100 Leute im Savoy zwar gut unterhielt, teils aber Feinfühligkeit vermissen ließ.

Gefühlte 1000 Themen lassen sich für jedes Kalenderjahr auf einer Bühne verbraten, und doch scheint 2015 an unter den Nägeln brennenden Themen überzuquellen, zuvorderst steht da die Flüchtlingskrise. Der Kölner Seibel weiß das und überschüttete den Saal mit einfachen Botschaften, verpackt in eine burschikose Komik. Zappelnd und mit der Attitüde eines zerstreuten Professors neben seinem Lehrpult stehend, bediente er gängige Meinungen und beleuchtete die Thematik dabei leider nicht näher.

So gelangen mal mehr, mal weniger Attacken auf die Spitzenpolitikerschar, die sich zunächst nur gegen ein Lager richteten und erst im Laufe des zweistündigen Abends parteipolitisch nach allen Seiten austariert wurden.

Im Stile eines auf Politik gebürsteten Ralf Schmitz präsentierte Seibel
dabei gelungene Passagen, wie die Entlarvung des DFB/WM-Vergabe-Skandals oder die skurrile Diskussion um das geplante Verbot der Paternoster-Fahrstühle.

Nicht überragend, aber doch solide bewies sich der Komiker in der stimmlichen und gestischen Verballhornung Prominenter, warum allerdings Joachim Gauck dabei als mimosenhafte Obertunte daherkam, blieb dann doch das Geheimnis des studierten Wirtschaftswissenschaftlers.

Schön, dass das Publikum nach der Pause in Form von abgegebenen Stimmzetteln quasi persönlich zu Wort kam und somit jeder im Saal sein ganz persönliches Jahr auf der Bühne durch Thilo Seibel wiederfand. Für Stimmung war an diesem Abend ohnehin gesorgt, obwohl oder vielleicht gerade weil die manchmal notwendigen Zwischentöne fehlten. 

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