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Boostedt : Thema Flüchtlinge: Aufklärung gegen die Angst

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Der Verein für Toleranz und Zivilcourage aus Neumünster warnte in Boostedt vor rechtsradikalen Aktionen gegen Asylbewerber. Ein anonymes Schreiben beschäftigt die Ortspolitiker.

shz.de von
erstellt am 18.Okt.2014 | 08:00 Uhr

Boostedt | Mit einer „Flugblatt- und Aufklärungsaktion gegen Rechts“ warnten gestern Nachmittag in Boostedt Mitglieder des Vereins für Toleranz und Zivilcourage aus Neumünster vor ausländerfeindlichen Tendenzen. Hintergrund der Initiative  war eine Flugblattaktion der rechtsextremen NPD Segeberg. Die hatte am Rande der Einwohnerversammlung zur geplanten  Asylbewerberaufnahmestelle in Boostedt am 8. Oktober    Hetzschriften  gegen Flüchtlinge in zahlreiche Briefkästen in der Gemeinde sowie unter Autoscheibenwischer gesteckt  (der Courier berichtete). Außerdem sorgt zurzeit ein anonymes Schreiben für Gesprächsstoff, das an Ortspolitiker und Medien geschickt wurde und   im weitesten Sinn vor Überfremdung warnt.

Zwei  Stunden lang verteilten   gestern fünf Vereinsmitglieder an einige hundert Haushalte rund um die Feld- und Bahnhofstraße in Boostedt neben einem Infoblatt auch einen Aufkleber für den Briefkasten – die Aufschrift:   „Dieser Briefkasten ist kein Ort für Neonazis.“ Im Kleinkaufhaus und der Zentrale von Tackmann  können  Interessierte noch  Flugblätter und Aufkleber bekommen.

„Wir wollen versuchen, aufzuklären und  so  Ängste zu relativieren“, erklärte Jonny Griese, Vorstandsmitglied des Vereins für Toleranz und Zivilcourage. Er sagte weiter: „Wir können die Sorgen der Boostedter wegen einer so  einschneidenden Veränderung nachvollziehen. Aber Neumünster ist ein Beispiel dafür, dass es mit einer Asylbewerberunterkunft funktionieren kann. Man muss aufhören, Ängste zu schüren.“ Die Landtagsabgeordnete der Piraten, Angelika Beer, meinte: „Wünschenswert wäre es, wenn sich in Boostedt eine Willkommenskultur aufbaut.“

Die erste von weiteren geplanten Aufklärungsaktionen stieß in der Gemeinde gestern offenbar auf positive Resonanz: „Das ist eine gute Sache. Den Aufkleber mache ich auf unseren Briefkasten“, meinte ein Boostedter Familienvater. Peter Matthiesen vom Verein sprach zum Abschluss von einer „gelungenen Aktion.“ Angelika Beer fasste zusammen: „Im Gespräch mit Bürgern wurde der Wunsch nach regelmäßiger Information über den aktuellen Stand deutlich.“

Denn eines ist sicher: Die  Verunsicherung über die geplante Asylbewerberaufnahmestelle in der Rantzau-Kaserne ist in Boostedt nach wie vor groß – insbesondere, seit die anvisierte Zahl von 250 auf 500 Flüchtlinge erhöht wurde. Mittlerweile ist zum Beispiel  ein  anonymes Schreiben aufgetaucht, in dem der oder die Verfasser  im weitesten Sinne vor einer Art Überfremdung warnen.   Anhand  zahlreicher Beispiele wird eine überdurchschnittliche Belastung der Boostedter angeführt, wenn tatsächlich rund 500 Flüchtlinge in die 4600 Einwohner starke Gemeinde kämen.  Der  Absender schlägt deshalb eine „Einwohnerbefragung vor, ob die Bürger mit der Zuweisung von über 250 bis 500 und mehr Asylanten einverstanden sind“. Unterzeichnet ist  der zweiseitige Brief mit „Besorgte Bürger aus Boostedt“.  Er wurde an den  Bürgermeister, die Fraktionsvorsitzenden sowie die örtlichen Medien verteilt.

Bürgermeister  Hartmut König (CDU) bestätigte auf Anfrage, dass er das Schreiben im Briefkasten hatte.  „Ich nehme die Ängste ernst. Doch wo soll ich bei einem anonymen Schreiben ansetzen? Es ist völlig unklar, wer und wie viele Personen dahinter stecken.  Erst wenn sich die Absender offen zu dem Brief bekennen, kann man nach Lösungen suchen“, sagte König.  Er hält weiter daran fest, die Bürger so bald wie möglich in einer weiteren Einwohnerversammlung zu informieren. „Allerdings habe ich zurzeit noch nichts Neues. Es wird  noch eine Weile dauern“, sagte König.

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