Kinderschutz : Theaterspiel soll Mut machen

Locker von der Bühne weg:  Lisa Scheibner (von links), Johannes Birlinger und Helge Gutbrod von der Kompanie „Kopfstand“ plauderten zwischen den Spielszenen mit ihrem jungen Publikum und scheuten dabei keine  heiklen Fragen.
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Locker von der Bühne weg: Lisa Scheibner (von links), Johannes Birlinger und Helge Gutbrod von der Kompanie „Kopfstand“ plauderten zwischen den Spielszenen mit ihrem jungen Publikum und scheuten dabei keine heiklen Fragen.

Kompanie „Kopfstand“ ermuntert Kinder und Jugendliche, sich zu ihren Gefühlen zu bekennen und sich gegen Missbrauch zu wehren

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07. November 2013, 06:00 Uhr

Wozu sind Gefühle da? Eine Frage – so einfach wie zentral. Gestellt wurde sie gestern von den Akteuren der deutsch-schweizerischen Theaterkompanie „Kopfstand“. 340 Grundschüler und ihre Lehrkräfte waren vormittags ins Theater in der Stadthalle gekommen, um sich das Theaterstück „Trau dich!“ anzusehen. Als zentrales Element der gleichnamigen bundesweiten Initiative zu Prävention des sexuellen Kindesmissbrauchs will das Mitmachtheater Kinder auf spielerische Weise über ihre Rechte aufklären, ihr Selbstbewusstsein stärken und sie informieren, wo sie im Falle eines Übergriffes Hilfe finden.

Das mag sehr theoretisch klingen, doch die vier Schauspieler verstanden es auf wunderbare und sensible Weise, die Kinder für das Thema „Gefühle, Grenzen und Vertrauen“ zu begeistern. Während der gesamten einstündigen Vorstellung gab es weder störende Zwischenrufe, noch gelangweilte Gesichter. Und das hatte neben den schauspielerischen Leistungen vor allem mit dem Konzept des Stückes zu tun.

In jeder der vier dramaturgisch geschlossenen, aber nicht linear erzählten Geschichten, spielt der Bezug zur realen Lebenswelt der Kinder eine große Rolle. Da ist etwa Vladimir, der sich nicht traut, seiner Oma zu sagen, dass er sie zwar immer noch sehr lieb hat, aber nicht mehr wie ein Baby von ihr abgeküsst werden will. Er hat Angst, die Oma zu verletzen. Schließlich schafft er es, ihr einen Brief zu schreiben und seine Gefühle zu erklären. Und siehe da: Oma ist gar nicht sauer. Der Tipp mit dem Brief kam übrigens aus dem Publikum.

Immer wieder richteten sich die Schauspieler an ihre jungen Zuschauer im Saal. Mal mit einer direkten Frage, dann wieder mit Musik, bei der die Besucher nach einer heiklen Situation befreit mitklatschen konnten.

Denn heikle Situationen gab es auch. So wurde zum Beispiel die Geschichte von Alina erzählt. Für das Mädchen aus einer heilen Familie bricht die Welt zusammen, als ihr zukünftiger Schwager ihr körperlich zu nah kommt. Nach Wochen der Verzweiflung schafft sie es, sich ihrer Schwester anzuvertrauen und stößt nicht, wie von ihr erwartet, auf Misstrauen und Ablehnung, sondern auf Unterstützung.

Das Recht auf Unterstützung, körperliche Unversehrtheit und den Schutz der Privatsphäre haben auch die Neumünsteraner Kooperationspartner der bundesweiten Initiative „Trau dich!“ noch einmal eindringlich zum Ausdruck gebracht. Nach Ende der Vorstellung kamen Jörg Hellberg vom Jugendamt, Helga Göllert vom Kinderschutzbund und Helge Jannink von Pro Familia auf die Bühne, erzählten kurz von ihrer Arbeit und forderten die Kinder auf, sich jederzeit bei Problemen oder Fragen an sie zu wenden.

Alle drei Einrichtungen sowie das städtische Schulamt hatten im Vorweg der Theateraufführung auf Elternabenden über die Initiative informiert und schulische Fachkräfte fortgebildet. Denn: „Präventionsmaßnahmen müssen sich auch an die Erwachsenen richten. Sie sind für den Schutz der Kinder verantwortlich“, so die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, “


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