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Textilingenieur Ronald Röse: „Der Wechsel der Mode hat Sager kaputt gemacht“

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

von
erstellt am 25.Apr.2014 | 12:59 Uhr

Ronald Röse (70) ist Mitglied im Förderverein des Museums Tuch + Technik und hat noch die Zeiten miterlebt, als Neumünster eine Stadt der Textilindustrie war.

1960 begann er bei C. Sager Söhne seine Lehre als Tuchmacher. „Aufgehört habe ich als Wollstoffmacher. Diesen Beruf gibt es wohl gar nicht mehr“, sagt Röse, der anschließend an der Textilfachschule (heute: Theodor-Litt-Schule) studierte und dann als Textil- und Maschinenbauingenieur unter anderem beim Faserhersteller Gelsenberg tätig war. Heute als Rentner ist er Kaffeeröster aus Passion. „Da kann man mal sehen, wie vielseitig die Ausbildung an der Textilfachschule war“, sagt er und schmunzelt.

Während seiner Lehrzeit waren etwa 300 Menschen bei Sager beschäftigt. In der vollstufigen Tuchfabrik wurden von der Faser bis zum fertigen Tuch alle Verarbeitungsschritte in einem Unternehmen verrichtet: Reißerei, Wollmischung, Spinnerei, Weberei, Zwirnerei, Färberei, Wäscherei, Walke und Ausrüstung.

„Sager hat in erster Linie Damenoberbekleidungsstoffe gefertigt, aber auch Plaids, also Decken, und Streichgarne“, sagt Röse. Das brach in den 1980er-Jahren ein. Ronald Röse: „Grobe Wollstoffe waren nicht mehr in. Heute ist das für Mäntel wieder gefragt. Streichgarne macht aber in Deutschland keiner mehr.“

1990 bei der Pleite standen noch gut 100 Mitarbeiter bei C. Sager Söhne in Lohn und Brot. Unter dem Druck der Rationalisierung stand die Firma aber schon in den 60er-Jahren. „Als ich als Weber anfing, hatte jeder Weber eine Maschine zu bedienen. Als ich mit der Lehre fertig war, waren es vier Webmaschinen“, sagt Röse.

Während seines Studiums arbeitete Röse weiter bei Sager und verdiente dabei gut. Im ersten Lehrjahr gab es 40 Mark pro Monat, im zweiten Lehrjahr 60 Mark, im dritten Jahr 100 Mark. Ein ausgelernter Weber verdiente im Akkord damals 800 Mark. Das war viel Geld. „Am Ende meines Studiums konnte ich mir ein Auto kaufen“, sagt Ronald Röse. Er ist überzeugt: „Der Wechsel zu feinen Stoffen, auch zu Chemiefasern, hat Sager kaputt gemacht.“

Als Mitglied im Förderverein des Textilmuseums, dessen Vorsitz er auch kurz führte, warb Röse für die Idee, das Museum in den Räumen der früheren Tuchfabrik Sager anzusiedeln – gemeinsam mit dem Sudkessel der Holsten-Brauerei und einer historischen Kaffee-Rösterei. Röse: „Die Stadt zeigte kein Interesse und ließ mich abblitzen.“ Das Museum steht jetzt am Kleinflecken.

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