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Holsteinischer Courier

18. Oktober 2017 | 19:10 Uhr

Bodenproben : TEV-Kritiker lassen nicht locker

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Verein Umweltfreundliches Neumünster will nach Bodenuntersuchungen die Naturschutz- und Wasserschutzbehörde einschalten

von
erstellt am 23.Dez.2016 | 08:45 Uhr

Neumünster | Die im „Verein Umweltfreundliches Neumünster“ versammelten Kritiker der Thermischen Ersatzbrennstoff-Verwertungs anlage (TEV) lassen nicht locker. Der Verein hatte im September und damit elf Jahre nach einer ersten Entnahme von Bodenproben eine zweite Untersuchung durch einen Sachverständigen vornehmen lassen (der Courier berichtete). Da sich vier Wochen nach Veröffentlichung der Ergebnisse weder die Stadtwerke noch die politischen Parteien im Rathaus hierzu geäußert haben, wendet sich der Vorsitzende Gerhart Walter nun an die Öffentlichkeit.

Die Werte für giftige polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) hätten sich an einigen Standorten rund um die TEV an der Bismarckstraße nicht nur verdoppelt, sondern verdreifacht, schreibt Walter. Unter den PAK seien auch stark krebserregende Substanzen, die vor allem beim Verbrennen von kunststoffhaltigen Hausmüllabfällen entstünden. Die erhöhten PAK-Werte lägen zudem „überwiegend auf der östlichen Seite der TEV und damit im Bereich unserer Hauptwindrichtung West“. Zwar gebe es viele mögliche Quellen für PAK, etwa den Verkehr oder die Verbrennung von Holz und Kohle. Schadstoffe aus diesen Quellen befänden sich an allen Probenentnahmestellen, aber erhöhte PAK-Werte nur in der Westwindrichtung der TEV. Nur die TEV könne daher der Verursacher sein.

Die gravierend gestiegenen PAK-Werte seien alarmierend und stellten eine Gefahr für das Trinkwasser dar. Walter will zunächst die Reaktion auf den Offenen Brief abwarten und dann die Untere Naturschutz- und Wasserschutzbehörde einschalten.

Bei den Stadtwerken reagiert Sprecher Nikolaus Schmidt auf die Vorhaltungen mit Erstaunen: „Wir sagen das Gleiche, was wir schon vor Wochen gesagt haben.“ Die TEV halte sogar die überaus strengen Grenzwerte ein, die seinerzeit mit der Bürgerinitiative vereinbart worden seien. Schmidt: „Wir liegen damit 90 Prozent unter den Werten der Bundesimmissionschutzverordnung. Wir messen und dokumentieren regelmäßig den Ausstoß. Für uns schließt das die TEV als Verursacher aus.“

Kommentar von Rolf Ziehm

Alter Streit

Es ist der alte Streit um Emissionswerte,  also um das, was oben an Abgasen aus dem TEV-Schornstein kommt, und um Immissionswerte, das ist das, was unten ankommt. Die Emissionswerte sind messbar und mittlerweile top.  Das räumen selbst Kritiker der Anlage im TEV-Beirat ein.    Und darauf berufen sich natürlich auch die Stadtwerke.   Die Immissionen  zu messen und eindeutig einem Verursacher zuzuordnen, bleibt  trotz der Bodenproben des  Vereins  schwer.

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