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Gerichtsbericht : Teure Spritztour im „geborgten“ Auto

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Betrunkener fand passendes Auto zum gefundenen Schlüssel und fuhr in Polizeikontrolle

Die Versuchung war wohl einfach zu groß: Aus reinem Zufall stieß ein 27-jähriger Neumünsteraner im vergangenen August nach einer ausgedehnten nächtlichen Zechtour auf einem Parkplatz an der Gasstraße auf einen verlorenen Autoschlüssel. Statt den Schlüsselbund bei der Polizei oder im Fundbüro abzugeben, kam der junge Mann auf „dumme Gedanken“ – deren Umsetzung er jetzt vor dem Amtsgericht teuer bezahlte.

Wo der Schlüssel ist, ist das Auto vielleicht nicht weit, hatte der Finder seinerzeit trotz seiner Trunkenheit messerscharf geschlossen und war nach kurzer Suche auf dem Parkplatz tatsächlich auf das zugehörige Auto gestoßen. Der Mann wähnte sich im Glück, schwang sich hinter das Steuerrad und startete Richtung Kieler Straße. Weit kam er allerdings nicht: Einer Polizeistreife kam der Wagen mitten in der Nacht gegen 2.30 Uhr verdächtig vor. Die Beamten entschieden sich zu einer Kontrolle und landeten einen Volltreffer: Nur wenige 100 Meter vom Tatort entfernt nahmen sie den sturzbetrunkenen Fahrer im geklauten Auto fest. Den Führerschein konnten sie ihm allerdings nicht abnehmen, den hatte der 28-Jährige bereits vor Jahren wegen verwandter Delikte abgeben müssen.

Vor Gericht versuchte der derzeit arbeitslose junge Mann gestern das Beste aus der bösen Sache zu machen. Er habe das Auto nicht wirklich stehlen wollen, sondern es nur für „eine kurze Spritztour“ verwenden wollen. „Es war just for fun. Ich hätte den Wagen irgendwo abgestellt, ganz sicher“, beteuerte der Mann gegenüber dem Gericht.

Für diese Version sprach immerhin auch, dass der Mann das Auto trotz seiner 1,64 Promille Alkohol im Blut, während seiner Spritztour ungewöhnlich pfleglich behandelte. Selbst die Polizisten staunten, dass der Mann offenbar noch so sauber hatte einparken können, bevor sie ihn kontrollierten.

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft ließ den Vorwurf des Diebstahls daher, aber wohl auch mit Blick auf die verbliebenen unstrittigen Delikte, fallen. Denn ohne Strafe kam der Fahrer des „geborgten“ Autos auch so nicht davon: Die Trunkenheitsfahrt ohne Führerschein ahndete der Richter mit 400 Euro Geldstrafe, die der derzeit mittellose Mann in Monatsraten zu 25 Euro abstottern darf. Außerdem verhängte das Gericht eine Führerscheinsperre für ein Jahr.

 

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erstellt am 15.Jan.2014 | 11:45 Uhr

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