zur Navigation springen

Wasbek : „Teller und Tassen sind nie geflogen“

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Besonderes Jubiläum: Anneliese und Friedrich Bartel aus Wasbek feiern heute ihre eiserne Hochzeit.

von
erstellt am 05.Nov.2014 | 06:30 Uhr

Wasbek | An den Moment, als Anneliese Bartel ihren Friedrich das erste Mal gesehen hat, erinnert sie sich noch wie heute. Es war der 16. Juli 1947. Die heute 87-Jährige arbeitete zu dieser Zeit in einer Gaststätte im nordfriesischen Rantrum. „Als ich ihn vor der Tür stehen sah, dachte ich sofort ‚Junge, den mag ich leiden. Das ist genau mein Typ‘“, erzählt die gebürtige Neumünsteranerin.

Der gleichaltrige junge Mann hatte zu diesem Zeitpunkt schon eine Menge hinter sich. Geboren 1927 in Königsblumenau (heute Kwietniewo, Polen) im ehemaligen Ostpreußen wurde er mit 17 Jahren Soldat und war unter anderem in der Tschechoslowakei und im bayrischen Passau im Einsatz. Nach dem Krieg begab sich Friedrich Bartel auf die Suche nach seiner Familie. „Glücklicherweise hatte ich die Adresse einer Tante aus Berlin, die hat den Kontakt nach Rantrum vermittelt, wo meine Eltern lebten“, erzählt er.

An das erste Zusammentreffen mit seiner Anneliese kann sich der 87-Jährige ebenfalls noch gut erinnern. „Eigentlich wollte ich mich zu diesem Zeitpunkt gar nicht fest binden, aber dann kam alles anders“, sagt er schmunzelnd. „Jeden Sonntag haben wir uns zum Tanzen getroffen, bei dem Lied ‚Capri-Fischer‘ sind wir dann ein Paar geworden“, erinnert sich Anneliese Bartel.

Doch im August 1948 wurden die beiden Verliebten getrennt – zumindest räumlich. „Meine Eltern konnten die Arbeit auf unserem Hof in Wasbek nicht mehr alleine bewältigen, daher musste ich zurück nach Hause“, sagt Anneliese Bartel. Im Frühjahr 1949 folgte Friedrich Bartel seiner Liebsten und zog mit in ihr Elternhaus in Wasbek, wo das Ehepaar bis heute lebt. Zu diesem Zeitpunkt war bereits Nachwuchs unterwegs – und wie es sich damals gehörte, wurde daraufhin die Hochzeit anberaumt. Am 5. November 1949 wurde in der Vicelinkirche in Neumünster geheiratet. „Wir hatten nicht viel Geld. Daher hat mir eine Schneiderin das Hochzeitskleid aus Fallschirmseide genäht“, sagt Anneliese Bartel. Zur Kirche ging es standesgemäß mit der Kutsche. „Unsere Gäste kamen später mit dem Bus hinterher“, erinnert sich Friedrich Bartel schmunzelnd.

Einen Monat nach der Hochzeit, am 9. Dezember 1949, wurde Tochter Ursula geboren. Inzwischen haben die Bartels zwei Enkelkinder und zwei Urenkel. Ihre Freizeit verbringen sie am liebsten im Garten. 20 Jahre lang war Friedrich Bartel zudem Mitglied im Shanty-Chor Von de Waterkant. „Wenn er singen war, hatte ich meinen freien Fernsehabend“, sagt Anneliese Bartel lachend. Gerne erinnert sich das Ehepaar auch an gemeinsame Urlaube in Irland, Portugal, Frankreich oder Österreich.

Heute haben Anneliese und Friedrich Bartel keine großen Wünsche mehr. „Gesund bleiben, das ist das Einzige“, sind sich beide einig. Auf die Frage nach einem Rezept für eine glückliche Ehe sagt Friedrich Bartel: „Wir hatten viele Hochs und Tiefs, aber Teller und Tassen sind nie geflogen. Das Wichtigste war, dass wir immer zusammengehalten haben.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen